Magdeburg l Man kann davon ausgehen, dass Henning Lambertz das Schreiben solcher Nachrichten auch keinen Spaß macht, weil der Bundestrainer des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) lieber Freude als Enttäuschung sieht bei seinen Athleten. Aber diese Nachricht sorgte nicht für Freude, sie sorgte sogar für einen "riesigen Schock", wie die Adressatin berichtete. Diese heißt Johanna Friedrich, sie schwimmt für den SCM. Aber letztlich war diese Nachricht ein notwendiges Übel für die Leistungssportlerin und Lambertz zugleich, denn sie entspringt dem Gesetz der Sportförderung.

Johanna Friedrich darf künftig nur noch am Wochenende in der heimischen Elbehalle ihre Bahnen ziehen. Der Grund: Sie hat in diesem Jahr den B-Kader-Status nicht erfüllt - jenen Status also, der ihr als Mitglied der Sportfördergruppe eine Rückkehr nach der Grundausbildung bei der Bundeswehr zum regelmäßigen Training nach Magdeburg garantiert hätte. Nun ist sie angewiesen worden, ihre Haupteinheiten in der Woche am Standort Warendorf zu absolvieren und die dortigen Möglichkeiten an der Sportschule unter Trainer Uwe Witte zu nutzen - ein Jahr lang. Dennoch behält sie auch weiter das SCM-Startrecht.

Friedrich ereilt nicht als Erste dieses Schicksal. Der ehemalige SCM-Athlet Leif Marten Krüger trainierte deshalb eine lange Zeit in Warendorf. Robin Backhaus (SG Neukölln) kämpfte sich dort zurück und gewann zuletzt bei der Europameisterschaft in Berlin mit der 200-Meter-Freistil-Staffel sogar Gold. "Für Johanna ist das eine Chance für den Neuanfang", erklärte SCM-Coach Bernd Berk-hahn deshalb, er wird nach wie vor für die 19-Jährige die Trainingspläne schreiben.

Für den Kaderstatus hatte Friedrich mit ihrem Sieg und ihrer Bestzeit von 4:10,49 Minuten über 400 Meter Freistil bei den deutschen Meisterschaften die erste Norm zwar erfüllt, die zweite aber bei der EM verpasst. Sie ist bei ihrem 14. Platz in 4:15,04 Minuten 1,3 Sekunden über der dort geforderten Zeit geblieben. "So richtig habe ich die EM noch nicht verarbeitet", erklärte sie. Berkhahn hatte in der Urlaubszeit wie auch bei Franziska Hentke (Sechste über 200 Meter Schmetterling) auf eine Analyse verzichtet, damit alle Abstand von den Wettbewerben im Velodrom bekommen. Aber gleich nach Friedrichs Lauf hatte er erklärt: "Sie war das Rennen einfach zu langsam angegangen."

Friedrich hat sich indes ihre eigenen Gedanken gemacht. Sie hat sich gefragt, "was wäre gewesen, wenn ich mir nicht den Ellenbogen gebrochen hätte?" Das war im Juni während eines Wettkampfes in Italien. Trotzdem hatte sie die Chance erhalten, sich für die EM zu empfehlen, und sie schaffte das in einem Freibad auf Sardinien während des DSV-Trainingslagers: mit 4:14,40 Minuten. "Unser primäres Ziel war es, die B-Kader-Norm bei der EM zu bestätigen", so Berkhahn. Womöglich wurde Friedrich in Berlin vom eigenen Druck besiegt.

Die nächste Möglichkeit, den ersten Schritt in den B-Kader zu gehen, hat sie nun bei der deutschen Meisterschaft auf der langen Bahn Ende April 2015. Und zumindest fühlt sie sich bei der Bundeswehr gerade sehr gut aufgehoben: "Es macht echt Spaß, die Ausbilder versuchen alles Mögliche, damit es einem gut geht." Zeit zum Trainieren habe sie in der Grundausbildung nicht, der Tag beginnt um 5 Uhr, er endet um 23 Uhr, berichtet sie. Aber nach sechs Wochen (Mitte Oktober) endet auch die Ausbildung. Und dann beginnt in Warendorf die Zeit für einen neuen Anlauf - auf Kaderstatus, Bestzeiten, Meistertitel und ihre erste Weltmeisterschaft, die 2015 in Kazan (Russland) stattfindet. Die Nominierung dafür ist jedenfalls eine Nachricht, die Henning Lambertz sehr gerne schreibt.