Magdeburg l Robert Weber war am Montagmorgen noch auf der Autobahn in Richtung Magdeburg unterwegs, als er seine Freude über das bevorstehende Tagesgeschäft verkündete. Seine Enttäuschung hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschüttelt, irgendwo auf dem Weg vom Flughafen Wien nach Berlin-Tegel waren die Gedanken an beide Niederlagen in der EM-Qualifikation mit seiner österreichischen Nationalmannschaft auf 10 000 Metern Höhe hängengeblieben. "Dass für uns in Spanien (16:27) nichts zu holen sein würde, war schon klar. Aber gegen Deutschland (24:28) hatten wir uns mehr ausgerechnet", ließ der 28-Jährige den Blick kurz zurückschweifen. Aber sein nächster Blick ging sogleich nach vorn: "Es erwartet uns eine Monsteraufgabe" - an diesem Mittwoch mit dem SCM beim THW Kiel in der Bundesliga (19 Uhr).

Einen Weber können diese negativen Ereignisse nicht umhauen, ist sich auch Steffen Stiebler, der Sportliche Leiter des SCM, sicher: "Robert hat immer Rückenwind." Und womöglich genauso viel wie die anderen, siegreichen Teamgefährten, die am Montagnachmittag nach ihren Länderspielreisen zum Training in der Getec-Arena eintrudelten. Nur Jannick Green, der Keeper, wurde erst am Dienstag erwartet nach seinem erfolgreichen Auftritt am Sonntag mit Dänemark in Bosnien-Herzegowina (25:23). Die beste Nachricht aus SCM-Sicht ist allerdings diese: Alle kehren gesund zurück, "zumindest ist uns nichts Gegenteiliges bekannt", erklärte Stiebler.

Die Rückkehr fällt Robert Weber indes besonders leicht, die Herzenswärme der Fans ist ihm sicher. Er war bereits der "Spieler der Saison" in der vergangenen Serie, er war bester Torschütze (242). Die heimatliche Alpenrepublik wählte ihn zum "Legionär des Jahres" - und seit Sonnabend ist er nun der "Handballer des Jahres" des SCM. Geehrt wurde der Linkshänder bei der "Gala des Sports" im Herrenkrug-Hotel, hinterlassen hatte er per Video-Botschaft eine kleine Dankesrede an die 350 Gäste: "Das ist für mich eine sehr schöne Auszeichnung. Sie zeigt, dass die Menschen meine Leistung zu schätzen wissen und dass sie mich mögen. Darüber freue ich mich sehr, dafür spiele ich auch."

Die Menschen mögen ihn in der aktuellen Serie auch für die 87 Treffer, mit denen Weber sich in der Bundesliga-Rangliste aktuell an die Spitze geworfen hat. Jedes Tor zählt auch am Mittwoch in Kiel, "wir fahren nicht dorthin, um die Punkte abzuschenken", erklärte Stiebler. Weber erinnerte sich gern an die vergangene Saison, als der SCM in Kiel einen Punkt holte (27:27), "wo wir zwei Punkte verdient hatten", und mit einer Rumpftruppe in der Getec-Arena einen Sensationssieg landete (34:31).

Vielleicht liegt der THW den Magdeburgern ja einfach, wenngleich sich "das eigentlich blöd anhört", meinte Weber ob des großen Gegners mit dem großen und ehemaligen SCM-Trainer Alfred Gislason. Wer also in Kiel gewinnt, hat eigentlich sein "Spiel des Jahres" bestritten. Diese "Ehrung" fehlt Robert Weber 2014 noch.