Magdeburg l Mit der 0:20 (0:7)-Niederlage beim neuen Spitzenreiter VfB IMO Merseburg haben die Elbestädter Verbandsliga-Geschichte geschrieben. Ein solches Ergebnis gab es seit Gründung der Liga zur Saison 1990/91 noch nie. Es war nach dem 0:11 in Stendal und dem 0:10 gegen die HFC-Reserve bereits die dritte zweistellige Saisonniederlage der Grün-Weißen.

Doch von Resignation oder Aufgabe ist an der Magdeburger Straße in Schönebeck weit und breit nichts zu spüren. "Wir sind ja nicht blauäugig in die Saison gegangen, wussten vorher, was auf uns zukommt. Doch unser Saisonziel, diese Spielzeit bis zum Ende zu spielen, steht nach wie vor. Von Aufgabe ist keine Rede", so Trainer Christian Kehr, der den Verein 2012/13 in die Verbandsliga geführt hatte, danach Frauenzweitligist Magdeburger FFC coachte, und zum Saisonstart wieder den SSC übernahm. "Sicher tut so ein 0:20 auch weh. Doch wir lernen ja auch stetig dazu!"

Den Grün-Weißen war wahrlich vor Saisonstart klar, was diese bringen würde. Nach dem tragischen Ableben des Hauptsponsors zu Jahresbeginn und den damit verbundenen Einbrüchen im finanziellen Bereich fiel die erfolgreiche Verbandsligamannschaft völlig ausein-ander, so dass ein kompletter Neuanfang nötig wurde. Doch die Gespräche mit zahlreichen Spielern brachten nichts ein. "Christian hat mindestens 50 Gespräche geführt", berichtet Uwe Mücke, Nachwuchsleiter und Mitglied der Abteilungsleitung Fußball beim SSC. "Nach dem 1. Juli konnten wir auch nicht mehr zurückziehen, da wir dann bis in die Kreisliga zurückgestuft wären. So haben wir uns dazu entschlossen, mit der zweiten Mannschaft, ergänzt durch unsere A-Junioren, anzutreten." Nur mit A-Junioren zu spielen lassen die Altersregularien nicht zu.

Kehr beweist in den Spielen zudem viel Gefühl für die Situation der Mannschaft, lässt eine Überlastung der A-Junioren, die ja meistens am Sonntag nochmals in deren Verbandsliga antreten müssen, nicht zu. Zudem sollen ja einige von ihnen im kommenden Jahr fest im Männerteam ihren Platz finden.

Trotz des letzten Tabellenplatzes herrscht "absolute Ruhe" im Verein, berichtet Mücke weiter. "Sicherlich wird auch mal gefrotzelt, doch das gehört im Fußball dazu!" Kehr meint zudem: "Wichtig war, dass wir diese Entscheidung im Verein gemeinsam getroffen haben. Klar ist die Situation nicht zufriedenstellend. Doch da müssen und wollen alle jetzt durch."

In das Reich der Fabeln verwiesen die beiden Magdeburger in SSC-Diensten das Gerücht, dass die Mannschaft in Zukunft auf den kleineren Schotterplatz ausweichen würde. "Der ist für den Spielbetrieb doch gar nicht zugelassen, wird, da er der einzige Platz mit Flutlicht ist, im Winter zum Training genutzt", so Kehr. Dass der Coach seinen Humor nicht verloren hat, beweist zudem eine seiner Sichtweisen auf das 0:20: "Sicherlich haben wir damit Verbandsligageschichte geschrieben. Doch wir waren als Teil dieser Geschichte dabei!"