Magdeburg/Avis l Philipp Syring hat sich wärmeres Wetter als jenes in Magdeburg gewünscht, und sein Wunsch wird ihm erfüllt: Knapp 15 Grad im Schatten und Sonne, Sonne, Sonne prognostiziert der Wetterfrosch für die nächsten 14 Tage in Avis (Portugal). "Die Vorfreude ist groß", jubelte Syring auch deshalb. Und Max Appel jubelte mit, weil er seine Erwartungen an das Trainingslager des Deutschen Ruderverbandes (DRV) bereits vor der ersten Einheit bestätigt sehen durfte. Hauptschwerpunkt in Avis, so erklärte Appel, wird "Rudern, Rudern, Rudern" sein. Der Vorruderer des SCM, Marcel Hacker, ergänzte dann eher nüchtern: "Kilometer schrubben, wie immer im Winter."

Die drei Magdeburger wurden am Mittwochmorgen von ihrem Trainer Roland Oesemann eingepackt und sind über Berlin und Frankfurt (Main) an den Stausee auf der iberischen Halbinsel geflogen. Dieser See namens Barragem do Maranhão hat drei Arme mit Längen von neun bis 15 Kilometern, da kann man sehr lange und sehr intensiv rudern. Aber "von nichts kommt nichts", würde Hacker sagen, und die Oesemann-Schützlinge haben ja einiges vor in der neuen Saison. Für die 18-jährigen Syring und Appel schickte der Coach aber auch mahnende Worte voraus: "Sie sollen nicht an ihrer Zielstellung zerbrechen, sondern Spaß haben." Spaß am Angriff auf die Elite.

Zu der gehört der 37-jährige Hacker seit 15 Jahren, und zu der will er auch in Rio de Janeiro gehören, bei den Olympischen Spielen 2016. Am vergangenen Sonntag belegte Hacker bei der 15. Langstrecke in Dortmund, dem traditionellen Jahresabschluss, Rang vier über 6000 Meter in 22:39,05 Minuten. "Das war nicht meine Topleistung. Aber ich habe auch drei Wochen später mit dem Training begonnen", erklärte er zu seinen Wadenproblemen, die er aus dem Urlaub in die Vorbereitung mitgeschleppt hatte. "Wir hätten gerne gewonnen. Für mich war im Vorfeld aber das Krafttraining wichtiger", sagte Oesemann.

Zufrieden war der Coach vor allem mit Syring und Appel, die beide am Sonnabend am Ergometer (2000 Meter) zu Bestzeiten gerudert waren, Syring mit 5:50,5, Appel erstmals unter sechs Minuten (5:59,2). "Ich war auch mit meiner Wasserleistung zufrieden, obwohl ich gerne unter die ersten zehn gekommen wäre", meinte Appel, der mit 23:11,69 Minuten auf der langen Strecke Zwölfter wurde. Auf Rang 16 in 23:27,85 Minuten fuhr dort Syring ein. "Ich bekam den Ergotest zu spüren, mir tat nach 1000 Metern alles weh", berichtete er lächelnd.

Jetzt dürfen Syring und Appel, die Doppelzweier-Weltmeister des Jahres bei der U 19, mit der Elite in Avis trainieren, sie wollen einen guten Eindruck hinterlassen und sich "von den Männern etwas abschauen", sagte Syring. Denn: "Ziel ist es nach wie vor, unter die ersten sechs beim Frühtest im nächsten Jahr zu kommen und sich für die Nationalmannschaft zu qualifizieren." Auch Appel möchte in diesen Kreis der erlauchten Ruderer. "Wenn es nicht klappt, mache ich mir keinen Stress, dann möchte ich ein guter U-23-Ruderer sein." Syring ergänzte: "Wir nehmen es, wie es kommt. Wir wollen den Spaß nicht verlieren, sonst sind wir am Ende nur traurig, und dafür sind wir zu jung."

Der 2,03 Meter große Hüne vergaß aber nicht zu erwähnen: "Rio de Janeiro ist natürlich trotzdem ein Ziel." Da ist jedenfalls meistens schönes Wetter.