Garmisch-Partenkirchen (dpa) | Klempner, Tournee-Triumphator, Aussteiger, Fernseh-Kommentator, Tänzer - Anders Jacobsen hat wechselhafte Jahre hinter sich und verblüfft nun erneut die Skisprung-Welt. "Ich bin sehr glücklich. Es ist nie vorbei", sagte der Norweger nach seinem Sieg beim zweiten Springen der Vierschanzentournee am Neujahrstag in Garmisch-Partenkirchen. Als Vierter der Gesamtwertung mit 21,2 Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Stefan Kraft darf Jacobsen plötzlich sogar vom zweiten Tournee-Gewinn nach 2006/07 träumen.

Die Experten zeigen sich verwundert über den unerwarteten Aufstieg des 29-Jährigen. Der hat sein breitestes Lächeln aufgesetzt und kann sein Glück kaum fassen. Genau ein Jahr zuvor kommentierte er noch im norwegischen Fernsehen die Sprünge seiner Kollegen - jetzt mischt er wieder in der Weltspitze mit.

Und wieder ist es die Tournee, die ihm zu einem wundervollen Comeback verhilft. Wie 2012/13, als Jacobsen nach einer selbstverordneten Auszeit vom Skispringen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen gewann und am Ende Zweiter wurde.

Bereits nach seinen ersten Trainingssprüngen durfte Jacobsen sich freuen. "Ich habe fantastische Erinnerungen an diese Schanze. Ich war dennoch ganz schön überrascht von meinen Sprüngen. Ich hoffe, auf diesem Level weitermachen zu können. Dann ist alles möglich", sagte der Familienvater nach der Gala auf der Großen Olympiaschanze.

Seit einem Kreuzbandriss im März 2013 beim Skifliegen im slowenischen Planica hatte der Tournee-Sieger von 2006/07 nicht einmal mehr eine Top-Ten-Platzierung erreicht. In der aktuellen Saison verschwand Jacobsen nach katastrophalen Leistungen zuletzt sogar im zweitklassigen Continental Cup. Erst beim Tourneeauftakt in Oberstdorf kehrte er in den Weltcup zurück und wurde 14. Die nötige Kraft holte er sich daheim bei seiner Familie.

Seine wechselhafte Karriere hat damit einen weiteren Höhepunkt erreicht. 2006 hatte Jacobsen mit dem Leistungssport bereits abgeschlossen, arbeitete als Handwerker und sprang nur noch zum Spaß. Dann entdeckte ihn Norwegens Ex-Coach Mika Kojonkoski. Der fliegende Klempner eroberte in seiner Debüt-Saison dank seines jungenhaften Charmes die Herzen der Fans und düpierte die Favoriten. Am Ende stand der Sieg bei der Vierschanzentournee.

Im Mai 2011 verkündete Jacobsen eine Auszeit vom Skispringen. Er hatte einfach keine Lust mehr, zu reisen. Die junge Familie kaufte sich ein Haus, in das der ehemalige Installateur viel Arbeit steckte. Nebenbei trat Jacobsen in der norwegischen Ausgabe der Tanzshow Let\'s Dance auf. Anfang 2012 kündigte er sein Comeback an und kehrte als Vorspringer beim Skifliegen in Oberstdorf und Vikersund zurück.

Dem weiteren Tourneeverlauf sieht er gelassen entgegen. "Ich denke Schritt für Schritt. Aber natürlich habe ich viel Selbstvertrauen und will das nach Innsbruck mitnehmen", sagte Jacobsen und fügte lächelnd hinzu: "Skispringen ist Kopfsache."