Magdeburg l Box-Promoter Ulf Steinforth vergleicht sein Unternehmen SES gern mit einem "Familienbetrieb". Doch in 15 Jahren hat sich der Profiboxstall zu einer waschechten Magdeburger Großfamilie mit nur schwer überschaubarem "Anhang" entwickelt - so gesehen bei der ungewöhnlich gut besuchten Jahres-Eröffnungs-Pressekonferenz am Montag im Magdeburger Maritim-Hotel. Allein die Vorstellung des schlagkräftigen Teams aus gut einem Dutzend Boxern sowie deren Trainer, die inklusive der drei Hauptkämpfer Christina Hammer, Dominic Bösel und Dennis Ronert bei der 100. SES-Gala am 7. März in Aktion treten werden, nahm fast eine Stunde Zeit in Anspruch.

Dass noch ein weiteres Mitglied zur SES-Familie dazugehört, wäre bei dem Massenauflauf vielleicht gar nicht so aufgefallen, wenn es sich dabei nicht um den neuen und fürs kostenintensive Profiboxen so eminent wichtigen TV-Partner gehandelt hätte. Das ist seit Mittwoch der Mitteldeutsche Rundfunk, der als drittes Programm seit 1992 Mitglied der ARD ist. Das ist um so bemerkenswerter, weil "Das Erste" gerade erst zum Jahresende 2014 mit Auslaufen des Vertrages mit Sauerland Event aus der Box-Liveberichterstattung ausgestiegen war.

"Das Ganze ist zunächst auf ein Jahr ausgerichtet", erläuterte MDR-Fernsehdirektor Wolf-Dieter Jacobi Details des Vertrages. "Geplant sind unter dem bekannten Format ,Sport im Osten` zunächst vier Kampfabende mit SES-Boxern - je einer im Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Und das zum ersten Mal Samstagabends und live zur besten Sendezeit".

Neben dem attraktiven Frauenboxen, das SES durch die Weltmeisterinnen Hammer und Ramona Kühne zu bieten habe, interessiere sich der Sender vor allem auch für das Nachwuchs-Konzept des Boxstalls mit dem "Team Deutschland", zu dem neben Junioren-Weltmeister Dennis Ronert auch solche vielversprechenden Talente gehören wie Tom Schwarz, Moritz Stahl oder Domenic von Chrzanowski. "Diese jungen Leute zeigen attraktives Boxen und machen sich auf in Richtung Weltspitze. Und wir wollen sie gern auf diesem Weg begleiten, sie bei uns im Programm vorstellen und ihre Kämpfe zeigen", so Jacobi vor der Live-Premiere des MDR am 7. März (22.30 Uhr) in Magdeburg.

Der Fernsehdirektor, der seit 2004 bei "Boxen im Ersten" viele Kämpfe selbst kommentiert hat, verwies darauf, dass der MDR unanhängig von der ARD "eine eigene Sportstrategie" verfolge. Jacobi: "Wir haben seit 2014 viele Zuschauer aus der Region Mitteldeutschland mit regelmäßigen Liveübertragungen vom Fußball, Basketball, Handball und Pferdesport begeistert. Mit Boxen kommt nun eine in der Region traditionell stark verankerte Sportart hinzu." An eine Quote verschwende er allerdings keinen Gedanken: "Ich glaube an das Produkt, aber es gibt keine Quotenvorgabe."

Promoter Steinforth, der unabhängig davon mit seinen drei Zugpferden Robert Stieglitz, Robin Krasniqi und Francesco Pianeta bei Sat.1 bleibt ("Der Deal mit diesen Jungs steht, aber natürlich habe ich Sat.1 rechtzeitig über die Sache mit den MDR informiert. Da gibt es keine Ressentiments."), sprach indes von einer "Sensation, einen TV-Partner zu gewinnen, der nicht nur meine, sondern auch die Heimat vieler meiner Jungs vertritt". Rückblickend auf 15 erfolgreiche Jahre sagte der 46-jährige Magdeburger: "Wir haben viel geschafft, aber noch mehr vor."Meinung