Magdeburg l Die jüngsten Nachrichten aus dem Bob-Team von Nico Walther (Riesa) wurden auch von Wehmut begleitet. "Helene" wird nämlich aussortiert, schon an diesem Sonntag beim Weltcup in Innsbruck-Igls (Österreich) fährt sie nicht mehr. "Unsere ,Helene`", erklärte neulich Andreas Bredau vom Mitteldeutschen Sportclub (MSC), "ist ein bisschen in die Jahre gekommen." Armes, so erfolgreiches Mädchen.

Die Anschieber Bredau und Marko Hübenbecker (MSC) haben den großen Schlitten, den sie "Helene" tauften, bei einigen Großereignissen liebgewonnen. Der 30-jährige Bredau ist mit ihm zum Weltmeistertitel 2011 am Königssee und damit zum bislang größten Erfolg seiner Karriere gefahren. Bredau und Hübenbecker (28) schoben "Helene" zudem zu WM-Bronze 2012 in Lake Placid (USA) an - immer mit Pilot Manuel Machata. Während dieser sich von der internationalen Bühne verabschiedet hat, war "Helene" noch im Januar gut genug für Nico Walther (24), der in Altenberg mit Hübenbecker, Bredau und Christian Poser (Potsdam) seinen ersten Weltcup-Sieg überhaupt feierte. "Sie hat immer wieder bewiesen, auch dank des fahrerischen Könnens unseres Piloten, dass sie noch mithalten kann", so Bredau.

Doch nun ist für "Helene", die einst als Modell 4/07 im Forschungs- und Entwicklungsinstitut für Sportgeräte (FES) Berlin geboren wurde, die Zeit des Abschieds gekommen. Sie wird in Igls durch das neueste Modell 4/08 ersetzt.

"Man muss der FES danken, dass trotz der Vorbereitungen auf die Olympischen Sommerspiele 2016 Kapazitäten freigemacht wurden, um einen neuen Schlitten zu bauen", erklärte MSC-Trainer Norman Dannhauer. Damit starten alle drei Teams des Bob- und Schlittenverbandes (BSD) mit dem neuesten Gefährt, welches seine größte Stärke vor allem in "der besseren Aerodynamik hat".

Der neue Typ, den die Piloten Francesco Friedrich (Oberbärenburg) und Maximilian Arndt (Oberhof) bereits seit Saisonbeginn fahren, ist wie "Helene" 3,80 Meter lang, 67 Zentimeter hoch und wiegt 210 Kilo. Und er war am Donnerstag noch auf dem Weg nach Igls. "Nico wird zum Wettbewerb am Sonntag die Lenkseile einstellen, alle Vier werden noch einmal den Einstieg üben, das wird funktionieren", meinte Dannhauer: "Es ist vor allem ein Test."

Einen neuen Test startet Bundestrainer Christoph Langen auch mit Candy Bauer (28/SC Oberbärenburg), der statt Hübenbecker oder Bredau am Sonnabend den Walther-Zweier anschieben wird. Danach wird sich entscheiden, wer zur Weltmeisterschaft in Winterberg (24. Februar bis 8. März) den kleinen Schlitten in die Spur bringt. Fest steht dagegen die Vierer-Besetzung: Walther und Hübenbecker, Bredau sowie Poser erhielten bereits gemeinsam freie Fahrt nach Winterberg.

Und sollte die Crew dort erfolgreich oder sogar mit einer Medaille abschneiden, könnte sich das Modell 4/08 mit einem Spitznamen anfreunden - zum Beispiel diesen: "Gloria".