Magdeburg l Gegenwehr, die; Widerstand, Selbstschutz: Der Duden bietet einige Synonyme für die Stärke der Franziska Hildebrand. Es ist eine innere Stärke, die sie erfolgreich eingesetzt hat, als heftige Tiefausläufer über ihre Biathlon-Karriere zogen. Das letzte Tief hieß Olympia, nach den Winterspielen 2014 in Sotschi (Russland) war sie aus dem Kader des Deutschen Skiverbandes (DSV) geflogen.

Damals wurde ihr nachgesagt, sie könnte selbst mit einer Null am Schießstand nie auf das Podest in einem Sprintrennen fahren. Im Januar 2015 hat sie alle bösen Zungen eines Besseren belehrt. Sie wurde Zweite beim Sprint von Nove Mesto (Tschechien), es war das erste Einzel-Podium ihrer Weltcup-Karriere. "Ich bin froh, dass es endlich geklappt hat", sagte Hildebrand an einem Freitag im Februar am Telefon - und kaute weiter Bratkartoffeln. "Die haben es in sich", erklärte sie lachend. Sie hatte wenig Zeit, das Training in ihrer Wahlheimat Ruhpolding nahte, die Weltmeisterschaften in Kontiolathi (Finnland), die an diesem Donnerstag mit der Mixed-Staffel beginnen, ebenso.

Vertrauen, das; festes Überzeugtsein von der Verlässlichkeit oder Zuverlässigkeit einer Person: Die Person in ihrem nahen Umfeld heißt Ricco Groß. Der Coach, selbst neunmaliger Weltmeister in seiner aktiven Zeit, hat seinen Schützling nie aufgegeben, auch nicht als Trainer in Ausbildung, der sich ihrer vor einigen Jahren angenommen hat, als ihre Karriere schon mal auf wackligen Füßen stand. "Selbst wenn ich schlechte Ergebnisse erzielt habe, hat er sich immer gemeldet, hat sich immer gekümmert", berichtete Hildebrand. Und er hat sie auch nicht fallenlassen, als die inzwischen 27-Jährige nach dem Sotschi-Debakel des DSV beim Training vor dem heute 44-Jährigen stand, um auch ohne Kaderstatus einfach das fortzuführen, was für sie einst in Köthen unter ihrem Vater Wolfgang begonnen hatte.

Mit Erfolg: Hildebrand läuft in dieser Saison so schnell wie nie, sie hat den Rückstand zu den Besten im 7,5-Kilometer-Sprint um 16 Sekunden verkürzt, weil sie ihre Lauftechnik weiter verfeinerte. Sie ist deshalb schnell in die Hauptrolle des Damenteams geraten, "obwohl ich die Rolle gar nicht haben wollte. Ich wollte einfach immer konstant und gut laufen." Das hat sie getan: Zwölf Top-Ten-Plätze hat sie erreicht in dieser Saison, sie steht als beste Deutsche auf Platz fünf im Gesamtweltcup.

Kompliment, das; lobende, schmeichelhafte Äußerung: Bundestrainer Gerald Hönig hat viele Komplimente in dieser Saison verteilt - ohne jemals zu huldigen. Aber nach dem letzten Weltcup in Oslo (Norwegen) hat er etwas besonders Schönes über die 1,61 Meter große Hildebrand gesagt: "Franzi hat den jungen Athletinnen so viel Schatten gespendet, dass sie sich in Ruhe entwickeln konnten." Sie hat sich drüber gefreut, sehr sogar.

Ziel, das; Ort, Punkt, Ende einer Wettkampfstrecke: Hildebrand bestreitet wohl fünf Rennen bei ihrer dritten WM, vom Sprint am Sonnabend bis zum Massenstart am 15. März, ein konkretes Ziel möchte sie nicht vorgeben, auch aus Selbstschutz. "Ich möchte einfach meine Leistungen in dieser Saison bestätigen", erklärt sie. "Wenn ich unter die ersten Sechs komme, dann ist alles gut." Dann bleibt es ein Hoch, wie es über sie schon die gesamte Saison hinwegzieht.

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