Gommern/Magdeburg l Er ist der erfolgreichste FCM-Kicker aller Zeiten, wurde 1974 mit den Blau-Weißen Europapokalsieger, im gleichen Sommer mit der DDR WM-Sechster und zwei Jahre später Olympiasieger. Am Sonntag feiert Martin Hoffmann seinen 60. Geburtstag. Der gebürtige Gommeraner ist der Jüngste, der Kleinste, aber auch der Erfolgreichste der FCM-Elf der "Goldenen 1970er Jahre".

Als gerade 18-Jähriger kam der Linksaußen in den letzten drei Spielen der Oberliga- Saison 1972/73 zum Einsatz, erzielte gegen Wismut Aue, in Karl-Marx-Stadt und beim abschließenden 5:4 gegen den Halleschen FC prompt ein Tor. Das folgende Jahr sollte nicht nur den internationalen Durchbruch bringen, es wurde auch das erfolgreichste. Erst sicherte sich der FCM mit einem wahren Husarenritt durch Siege in Jena und Dresden den zweiten DDR- Meistertitel, dann folgte der bis heute unvergessene Triumph im Europapokal der Pokalsieger.

Dass die Blau-Weißen überhaupt so weit kamen, daran hatte auch der kleine Wirbelwind Martin Hoffmann seinen Anteil. Nach dem 0:2 in Ostrava waren die Elbestädter schon fast abgeschrieben. Im Rückspiel sorgte der Mann mit der Rückennummer 11 kurz vor Schluss für das 2:2 und die Verlängerung. "So schön die ganzen Höhepunkte 1974 mit DDR-Meisterschaft, Europapokalgewinn und WM-Teilnahme waren, der Abend mit dem Sieg von Rotterdam bleibt unvergessen, weil auf dem Punkt genau alles passte", stellt Hoffmann dieser Tage klar.

Dass er beim triumphalen Empfang auf dem Alten Markt in Magdeburg einen Tag später, am 9. Mai 1974, nicht dabei sein konnte, weil es sofort zur WM-Vorbereitung nach Schweden weiterging, bedauert er noch heute. Dafür sorgte der damals 19-Jährige dann bei der WM-Endrunde für Furore, traf im Berliner Olympiastadion gegen Chile zum 1:0 (Endstand 1:1). "Dabei war ich schon froh, überhaupt dabei zu sein, profitierte dann auch von der Verletzung von Wolfram Löwe."

1976 dann der größte Erfolg mit dem Gewinn von Olympia-Gold. Beim 3:1-Finalsieg über Polen traf Hoffmann zum zwischenzeitlichen 2:0. Die Trainer dieser Erfolge, Heinz Krügel und Georg Buschner, hatten für den jungen FCM-Kicker viele Gemeinsamkeiten: "Beide waren sehr autoritär."

Bis 1985 bestritt Martin Hoffmann insgesamt 340 Spiele, erzielte 102 Tore, doch schon 1981 musste er sich in Berlin einer Knie-OP unterziehen, fünf Jahre später bei Dr. Jörg Woltersdorf in Vogelsang einer zweiten. Das war das endgültige Karriereende.

Rückblick ohne Reue
Im Vorjahr setzte der renommierte Orthopäde seinem Patienten Hoffmann ein künstliches Kniegelenk ein. Seitdem ist Martin Hoffmann arbeitslos, bezieht Arbeitslosengeld. Dennoch ist er mit sich und der Welt zufrieden: "Nichts von dem, was ich gemacht habe, würde ich jetzt anders machen."

Martin Hoffmann war immer bodenständig und, bis auf einen einjährigen Abstecher nach Parchim, 35 Jahre für den FCM als Spieler oder Trainer aktiv. Am Sonntag feiert der Jubilar im Volkshaus Gommern mit Gattin Claudia, Sohn Maik, Enkel Tim sowie den Eltern Dieter und Erika seinen 60. Gerade rüber auf dem Platz von Aktivist (jetzt Eintracht) Gommern begann seine Fußballkarriere. Sportlehrer Alfred Falk war sein Entdecker und erster Trainer, später formte ihn unter anderem Waldo Brütting beim Stützpunkttraining an der Magdeburger Bodestraße.

Nach Ende seiner aktiven Laufbahn war der Linksfuß als Trainer tätig, auch zweimal als Coach der Oberliga-Elf des FCM, jetzt besorgt er seiner Frau, die einen Kosmetiksalon betreibt, die Buchhaltung, hält Haus und Garten in Ordnung und frönt seinem Hobby, dem Angeln. Waren es früher die Seen rings um Gommern und Magdeburg, geht es seit 1990 jedes Jahr zum Meeresangeln nach Norwegen. Meist sind es "kleine Fische", Dorsche oder Heilbutt, "aber einen über einen Meter langen Leng hatte ich auch schon mal am Haken", so der Gommeraner, für den aber mehr denn je gilt: "Zu Hause ist zu Hause."

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