Zürich (dpa) l Nur einen Tag nach dem historischen Votum für die erste Winter-WM der Fußball-Geschichte in Katar 2022 hat die Fifa ihren größten Widersacher mit einem Griff in ihre prall gefüllte Schatulle schnell beschwichtigen können. Die Top-Clubs bekommen nicht nur für die umstrittene WM im Emirat am Golf, sondern auch schon für das nächste Turnier in gut drei Jahren in Russland die Rekordsumme von 209 Millionen Dollar - umgerechnet rund 195 Millionen Euro - für die Abstellung ihrer Profis. Diesen Coup verkündeten die Fifa und die European Club Association ECA mit ihrem Vorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge am Freitag kurz vor Abschluss der Sitzung des Exekutivkomitees in Zürich.

"Aus Sicht der ECA ist das ein sehr erfreuliches Ergebnis. Es markiert einen weiteren Meilenstein, den der europäische Club-Fußball gesetzt hat", sagte Rummenigge. Für die WM 2014 in Brasilien hatte die Fifa 70 Millionen Dollar - also umgerechnet rund 65 Millionen Euro gezahlt. Leisten kann sich Blatter den Geldsegen für die Clubs locker. Bei der WM 2014 in Brasilien wurde ein Rekordüberschuss von 2,2 Milliarden Dollar erzielt. Zudem soll die ECA als Vertreterin der Top-Vereine mehr Mitspracherecht bei der Gestaltung des internationalen Spielkalenders erhalten, was angesichts der langen Unterbrechung der Saison 2022/23 von Bedeutung ist.

Auf besondere Gegenliebe stößt die Katar-WM bei den Spitzenvertretern des deutschen Fußballs weiterhin nicht. Für DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ist Vernunft das oberste Gebot. "Es fällt nicht leicht sich mit dem Gedanken abzufinden, dass ein WM-Finale an einem vierten Advent stattfindet, aber aufgrund des Klimas gab es keine Alternative zur Verlegung in die Wintermonate", sagte er. Ligapräsident Reinhard Rauball bleibt trotz der Zahlungen an die Profi-Clubs ein Katar-Gegner. "Die Entscheidung für Katar ist und bleibt ein großer Fehler der Fifa mit schwerwiegenden Folgen."

Ganz anders sieht das Joseph Blatter. Nach seiner Reise zum Emir frohlockte der Fifa-Boss angesichts angeblich verbesserter Lage der Menschenrechte. "Wir haben beruhigende und positive Informationen erhalten", versicherte Blatter vor der Weltpresse. Katar spiele "mit offenen Karten".