Kuala Lumpur (SID). Nach seiner erneuten Demonstration der Stärke hätte Weltmeister Sebastian Vettel am liebsten die ganze Welt umarmt. "Yesss", schrie der Formel-1-Dominator nach seinem zweiten Saison-Triumph in Malaysia über Bordfunk, "ich liebe es, fantastischer Job. In der Hitze haben wir kühlen Kopf behalten. Es ist ein Vergnügen, jede Woche mit euch zusammen zu sein, ich liebe es, ich liebe es."

Wieder einmal hatte Vettel in Kuala Lumpur die Konkurrenz zu Statisten degradiert. Ungefährdet fuhr er zum Triumph und führt das Klassement nun mit der Idealpunktzahl 50 an. Für den 23 Jahre alten Überflieger war es der insgesamt 12. Sieg seiner Karriere und saisonübergreifend Nummer vier in Serie. Als der Champion nach dem neuerlichen Husarenritt seiner "Kinky Kylie" entstieg, war er nicht mehr zu halten. Im Parc ferme fiel Vettel seinem Chef-Konstrukteur Adrian Newey in die Arme, im Hinterzimmer des Podiums klatschte er mit Nick Heidfeld ab. Platz zwei zwischen den beiden Deutschen ging an Ex-Weltmeister Jenson Button im McLaren-Mercedes, der mit 26 Zählern hinter Vettel auch Zweiter der Gesamtwertung ist.

Den "deutschen Tag" komplettierte Renault-Pilot Nick Heidfeld auf Rang drei. Für den Mönchengladbacher war es das erste Podium seit Platz zwei im Jahr 2009 ebenfalls in Malaysia. Entsprechend glücklich präsentierte sich Heidfeld. "Mein Start war fantastisch, das hat viel Spaß gemacht", sagte er: "Am Ende musste ich mich gegen Mark Webber verteidigen, aber als er an mir dran war, hatten seine Reifen auch abgebaut. Ich habe dann KERS nur noch zur Verteidigung genutzt."

Dagegen gab es bei den Mercedes-Silberpfeilen einmal mehr lange Gesichter. Rekordweltmeister Michael Schumacher wurde mit einigen Ausrutschern am Ende wenigstens Neunter und holte damit seine ersten beiden Saisonpunkte, doch Zufriedenheit klingt anders. "Wir sind unter Rennbedingungen deutlich langsamer als im Qualifying. Da müssen wir rangehen. Nur durch Arbeit und viel Willen können wir es schaffen, stagnieren und den Kopf in den Sand stecken hilft uns nicht weiter", meinte Schumacher. Teamkollege Nico Rosberg ging als Zwölfter hinter Adrian Sutil im Force-India-Mercedes dagegen erneut leer aus. Timo Glock erreichte im Virgin-Cosworth als 16. und letzter Fahrer das Ziel.

Aber all das waren nur Randnotizen in einem Rennen, dem Sebastian Vettel, der wie schon in Melbourne von der Pole Position aus einen guten Start erwischt hatte, seinen Stempel aufgedrückt hatte. "Zwei Siege in zwei Rennen, das ist perfekt. Das war ein großartiger Tag. KERS hat uns heute beim Start gerettet. ", sagte Vettel, der aber zunächst sehr überrascht war, in der ersten Kurve das schwarze Auto von Nick Heidfeld neben sich zu sehen. "Da habe ich kurz überlegt, von wo er gestartet war und dann versucht, meinen Platz zu verteidigen", erklärte er, bevor er "Quick Nick" ein Kompliment machte: "Ich freue mich für Nick. Nach der langen Zeit hat er das verdient."

Doch trotz aller Euphorie zwang sich Vettel zur Bodenhaftung: "Die Weltmeisterschaften waren zuletzt immer sehr eng und wurden durch wenige Punkte entschieden. Und da ist jeder Punkt, den man schon gewonnen hat, wichtig. Aber wir müssen mit den Füßen auf dem Boden bleiben und weiter arbeiten. Es war hier deutlich enger als in Melbourne. Die WM ist noch lang."