Monte Carlo (dpa). Die IAAF führt als Konsequenz aus dem Fall Caster Semenya als erster internationaler Sportverband eine Regel für Athletinnen mit einer Überproduktion männlicher Hormone ein. Wie der Leichtathletik-Weltverband gestern mitteilte, wird die Regel für den sogenannten Hyperandrogenismus vom 1. Mai an für alle internationalen Wettkämpfe gültig sein.

Danach dürfen Athletinnen, bei denen eine männliche Hormon-Überproduktion festgestellt wird und bei denen das Androgen-Level unter dem eines Mannes liegt, in Frauen-Wettbewerben starten. Sollte das Androgen-Niveau dem eines Mannes entsprechen, kann eine Athletin auch bei den Frauen starten, wenn sie dadurch nachweisbar keinen Vorteil hat.

Die IAAF folgt damit auch dem Internationalen Olympischen Komitee. Das IOC hatte vor einer Woche angekündigt, dass bei den Olympischen Spielen 2012 in London neue Bestimmungen für Starterinnen mit einer männlichen Hormon-Überproduktion in Kraft treten. Im Jahr 2000 hatte das IOC den medizinisch nicht mehr haltbaren Geschlechtstest abgeschafft.

Ein Kreis von internationalen Medizin-Experten, der von der IAAF benannt worden ist, wird im Einzelfall über eine Startberechtigung von Frauen mit Hyperandrogenismus entscheiden. Strikte Vertraulichkeit soll bei der medizinischen Untersuchung garantiert sein. Eine Athletin, die eine solche Untersuchung versäumt oder verweigert, ist nicht für Frauen-Wettkämpfe startberechtigt, hieß es in der IAAF-Mitteilung.

Die IAAF war durch das Verhalten in der Affäre um 800-Meter-Weltmeisterin Semenya stark in die Kritik geraten. Unmittelbar vor der Weltmeisterschaft in Berlin wurde am 19. August 2009 bekannt, dass der Weltverband einen Geschlechtstest für die Südafrikanerin angeordnet hatte. Wegen ihrer männlichen Erscheinung waren Zweifel an ihrem Geschlecht aufgetreten. Die damals 18-Jährige gewann den WM-Titel in 1:55,45 Minuten und durfte danach bis Juli 2010 nicht mehr starten, weil ihr Geschlecht nicht eindeutig geklärt war.