Magdeburg. Langeweile – wer bei Wikipedia nachschaut, findet dazu folgende Umschreibung: Langeweile ist in der Grundbedeutung das Gefühl, dass die Zeit ungewöhnlich langsam vergeht, hervorgerufen durch Untätigkeit und fehlende Ablenkung.

Damit lässt sich vielleicht auch erklären, warum Damir Doborac seine erste Saison beim SCM "ein wenig langweilig" empfunden hat, wie er nach dem überzeugenden Sieg am Samstag gegen TuS N-Lübbecke bemerkte und sich deshalb besonders auf die kommende Handballsaison freut. "Dann spielen wir im Europapokal, das macht Spaß und bedeutet viel mehr Action. Ich habe bis zu meinem Wechsel nach Magdeburg fünf Jahre ganz oft mittwochs und samstags gespielt, dagegen war diese Saison doch ein wenig langweilig", erklärte Doborac, der in der Vorsaison für HC Bosna in der Champions League 60-mal traf und zudem in der Liga mit 205 Treffern Torschützenkönig der Saison war, mit einem schelmischen Augenzwinkern.

Verstärkt wird Doboracs (Un-)Ruhestand aber auch dadurch, dass er bei Trainer Frank Carstens bislang nur zweite Wahl hinter Stian Tönnesen ist. So hat der Neuzugang in allen 32 Punktspielen stets zuerst auf der Bank Platz nehmen müssen, bevor er (oftmals erst in der zweiten Halbzeit) ran durfte. Das Resultat: Der bosnische Nationalspieler kam im Gegensatz zur norwegischen Nummer eins nur auf ein gutes Drittel der Spielzeit. Seine bisher erzielten 45 Treffer gegenüber Tönnesen (57) sind so gesehen gar nicht mal so übel.

Warum aber spielt er trotz seiner Dynamik, Athletik, Schnelligkeit und der größeren Torgefahr, die Doborac offensichtlich doch ausstrahlt, dann nicht noch häufiger? "Das frage ich mich auch ab und zu", beantwortet der "Teilzeit-Spielmacher" die Frage mit einem traurigen Schulterzucken. "Natürlich würde ich gern mehr spielen oder auch mal anfangen, aber ich muss es akzeptieren, wie es ist. Ich kann nur wie bisher weiter versuchen, im Training und dann, wenn ich spiele, immer 100 Prozent zu geben – alles andere entscheidet der Trainer. Ich hoffe, nächste Saison wird‘s mehr."

Carstens betont derweil, dass Doborac "definitiv mehr Spielanteile bekommen hat als noch in der Hinrunde". Und es wären noch mehr gewesen, wenn sich der Spielmacher nicht in der Winterpause eine Verletzung zugezogen hätte: "Das hat ganz schön reingehauen, denn sich mit den Nebenleuten einzuspielen, dazu braucht ein neuer Spielmacher eben Zeit. Doch von den vier Wochen Vorbereitung fiel Damir dreieinhalb aus, was zur Folge hatte, dass es ihm zunächst an Wettkampfhärte und Belastbarkeit des Steuersystems fehlte", gibt Carstens zu bedenken. Dennoch habe der Bosnier seine Klasse schon unter Beweis gestellt "und vor allem auswärts der Mannschaft in schwierigen Situationen mit seiner Dynamik und seinem Spielwitz zu wichtigen Punkten verholfen".

Apropos Punkte: Um die muss der SCM am Freitag beim DHC Rheinland ohne Yves Grafenhorst kämpfen. Gestern wurde bei dem Linksaußen eine "schwere Verletzung der Unterschenkelmuskulatur" diagnostiziert, die einen Einsatz ausschließt. Die MRT- Untersuchung bei Kjell Landsberg (Verdacht auf Meniskusschaden) wurde auf heute verschoben.