Linköping. Das letzte Drittel der ersten Halbzeit hatte gerade begonnen, als der Fernsehreporter durch die Mattscheibe rief: "Fünftes Tor für Robert Weber, bislang bester Österreicher." Weber, ein Rechtsaußen, schnell ist er, sicher von der Siebenmeter-Linie auch. Aber wer dauerhaft einen Rechtsaußen seinen Besten nennt, hat im bedeutungsschweren Rückraum ein Problem.

Deutlich wurde dies bei der Nationalmannschaft Österreichs am Dienstagabend, als es bereits um alles ging, als nur ein Sieg zählte, um die Hauptrunde bei der Handball-Weltmeisterschaft in Schweden zu erreichen. Österreich hat es trotz der acht Tore von Robert Weber vom SC Magdeburg nicht geschafft, das Team unterlag in Linköping den Isländern mit 23:26 – trotz einer 16:11-Pausenführung.

Weber klang gestern entsprechend nach einem etwas gebrochenen Mann, der gerade lernen muss, wieder aufzustehen – wenngleich diese Endgültigkeit des Ausscheidens leichter für ihn hinzunehmen ist, als es die 27:33-Niederlage zuvor gegen Norwegen war. Österreich stand nämlich plötzlich in der ungeliebten Siegespflicht – und das gegen Island, Silbermedaillen-Gewinner bei Olympia 2008. Weber erklärt: "So wie wir dann gespielt haben, hatten wir es auch nicht verdient, in die Hauptrunde einzuziehen." Heute folgt die letzte Gruppenpartie gegen Ungarn, da kann Österreich zumindest noch den vierten Platz erreichen – "kein wirklicher Trost". Nach Hause fahren die unterlegenen Mannschaften selbst nach der Gruppenphase nicht, sie müssen noch um den sogenannten President‘s Cup spielen.

Am Dienstag brach dem Team nach einer sehr guten ersten Hälfte der Beginn des zweiten Durchgangs das Genick. Zwölf Minuten blieb es ohne Treffer, erst Patrick Fölser vollendete zum 17:17. Der kraftraubenden offensiven Abwehrarbeit musste Österreich in den letzten sieben Minuten Tribut zollen, als Islands Alexander Petersson, der zum Saisonende von den Füchsen Berlin zu den Rhein-Neckar Löwen wechselt, mit zwei Treffern zum 22:25 die Vorentscheidung markierte. "Ich hatte das Gefühl, wir haben Angst vor dem Sieg gehabt", sagt Weber. "Wir haben uns zu wenig bewegt, haben zu keinem flüssigen Spiel mehr gefunden" – erst recht nicht gegen die angedeutete 3-3 des Gegners. Nur noch vier Tore gelangen nach dem Wechsel aus dem Rückraum ("Das ist zu dünn gewesen") – die anderen drei erzielte Weber.

Die Rückkehr nach Magdeburg und zum SCM naht, früher als für Bartosz Jurecki, der mit den Polen bereits für die Hauptrunde qualifiziert ist. "Ich freue mich, wenn ich wieder bei der Mannschaft bin", sagt Weber. "Aber ich möchte nach der WM einfach auch zwei Tage komplett abschalten vom Handball." Die Zeit hat er, sein Trainer Frank Carstens erwartet ihn am 31. Januar zurück.