Berlin ( SID ). Eine Woche nach dem Olympiasieg des Frauen-Teams in Richmond ist die deutsche Eisschnelllauf-Szene erneut mit dem Thema Doping konfrontiert worden. Die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft

( DESG ) wies gestern Anschuldigungen gegen zwei ihrer Läuferinnen zurück, die wie die für zwei Jahre gesperrte Claudia Pechstein erhöhte Retikulozyten-Werten aufweisen sollen. Der Verdacht war am Donnerstag aus Ermittlerkreisen am Rande der Hausdurchsuchung bei Pechstein laut geworden.

" Die lancierte Vermutung, es bestehe ein Dopingverdacht gegen zwei Sportlerinnen der DESG, kann der Verband nicht bestätigen. Der DESG liegen keine dahingehenden Informationen vor ", teilte der Verband mit. Wie die DESG erläuterte, wolle sie den Kurs der " umfassenden objektiven Aufklärung " weiter verfolgen, um die Vorwürfe gegen Pechstein und den Verband aufzuklären.

Die Staatsanwaltschaft München bestätigte indes Ermittlungen im Fall Pechstein. Das Bundeskriminalamt ( BKA ) habe am 4. und 5. März 21 Durchsuchungen auf der Geschäftsstelle des Verbandes, bei Mitarbeitern der DESG, bei Sportlern sowie in einer Arztpraxis wegen Verdachts des Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz durchgeführt. Am Donnerstag war bekannt geworden, dass die Häuser von Pechstein und von DESGTeamchef Helge Jasch durchsucht worden waren.

Ziel der Maßnahmen sei es gewesen, so die Staatsanwaltschaft, dem Verdacht von Dopinghandlungen im Bereich des Verbandes nachzugehen und mögliche Beweismittel zu sichern. Mit Unterstützung der Polizei seien umfangreiche Unterlagen sichergestellt und eine Vielzahl von Beteiligten vernommen worden. Die Auswertungen dauerten noch an, teilte die Behörde mit.

Auslöser der Hausdurchsuchungen war eine Anzeige gegen unbekannt, die durch die DESG und die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA am 1. Dezember 2009 bei der Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft gestellt worden war. Ziel dieser Aktion ist es, mögliche Hintermänner ausfindig zu machen. Beim Deutschen Olympischen Sportbund ( DOSB ) begrüßt man die Ermittlungen. " Sie entsprechen unserem bereits 2006 verabschiedeten Zehn-Punkte-Plan zum Kampf gegen Doping ", sagte DOSB-Sprecher Christian Klaue.

Beim Weltverband ISU hielt man sich hingegen bedeckt. " Ich habe heute Morgen in der Zeitung gelesen, dass Claudia Pechsteins Haus durchsucht worden ist ", sagte ISU-Mediziner Harm Kuipers : " Ich fand die Bemerkung interessant, dass weitere deutsche Läuferinnen betroffen sein sollen. Davon weiß ich aber nichts. "

Dabei ist das Verhalten des Weltverbandes entscheidend für den weiteren Verlauf. Erst, wenn die ISU einen der zwölf Athleten, die wegen zu hoher Blutwerte angeblich auf ihrer Liste stehen, anklagt, kann von einem Fall gesprochen werden. Allerdings ist die ISU gewarnt. Die vielen juristischen Verfahren und unterschiedlichen Gutachten, die den Fall Pechstein prägten, dürften dem Verband aufgezeigt haben, welche Probleme eine Sperre allein auf der Grundlage erhöhter Blutwerte mit sich bringt.