Magdeburg l Marko Hübenbecker spricht voller Ehrfurcht über den Mann, der seit 15 Jahren „das Weltniveau mitbestimmt“ und der schon auf vier Olympiasiege seit 2002 verweisen kann. Der Mann heißt Kevin Kuske, er ist 37 Jahre alt, und wie sich beim Leistungstest am 3. September in Oberhof herausgestellt hatte, reicht er den jüngeren Anschiebern nach wie vor mehr als nur das Wasser. „Nach oben zu kommen, ist relativ leicht“, sagte Hübenbecker vom Mitteldeutschen Sportclub (MSC), „aber so lange oben zu bleiben, das ist die herausragende Leistung des Kevin Kuske.“ Ab der neuen Saison sitzen sie erstmals gemeinsam in einem Schlitten, und zwar in jenem von Bobpilot Nico Walther (Oberbärenburg).

„Ich habe sogar für ihn die Seite gewechselt“, berichtete Hübenbecker über den Tausch der Positionen mit dem Potsdamer Kuske, der auf der rechten Seite anschiebt, der MSC-Hüne auf der linken. Der 30-Jährige selbst war indes mit seinem Leistungstest nicht zufrieden. Mit seinen Anschubzeiten über die 40 Meter (4,74 Sekunden auf Seite, 4,72 Sekunden auf Bremse) lag er im vorderen Mittelfeld der 42 Starter. Und begründete: „Ich hatte in der Vorbereitung einige verletzungsbedingte Probleme. Aber am 21. Dezember beim zweiten Leistungstest greife ich voll an.“ Die Grundlage dafür kann er sich in den Eiskanälen holen, sagte MSC-Trainer Norman Dannhauer. „Marko wird sich über die Bobfahrten seine Geschwindigkeit erarbeiten.“

Wann dagegen Teamgefährte Kevin Korona wieder am Schlitten steht, ist noch fraglich. In der vergangenen Woche, beim ersten Fahrtraining im Eiskanal von Königssee, musste er noch passen. „Für ihn gilt in erster Linie: volle Konzentration auf den 21. Dezember“, erklärte Dannhauer. Korona, der nach Bekanntwerden des Karriereendes vom Oberhofer Maximilian Arndt ebenfalls zum Walther-Team wechselte, laboriert an einer Verletzung des linken Beugers, die er sich beim Sommerbob im Juli in Ilsenburg zugezogen hatte. „Ich bin zwar guter Dinge“, erklärte der 28-Jährige zum Genesungsverlauf, „aber ich muss erst komplett fit werden, dann kann ich auch dem Team helfen.“

Helfen kann vorerst auch Christian Poser (Potsdam) nicht. Er hat sich operieren und ein Überbein entfernen lassen. Bleiben vorerst neben Hübenbecker und Kuske noch Eric Franke (Oberbärenburg) und Philip Wobeto (Potsdam), die den Saisoneinstieg mit Walther vollziehen werden.

Walther, Friedrich und Lochner gesetzt

Und Hübenbecker freut sich auf die vorolympische Saison, die er von der ersten Fahrt an „genießen will“, sagte er. Die Spitzenteams um Walther, Francesco Friedrich (Oberbärenburg) und Johannes Lochner (Stuttgart) müssen sich unter dem neuen Bundestrainer René Spies nicht erst durch die Selektion quälen, sie sind bereits gesetzt. Nach den deutschen Meisterschaften (5./6. November) in Königssee startet die Weltcup-Reise in Whistler (Kanada/28. November bis 3. Dezember). Es wird der einzige Wettbewerb in Übersee sein, den die Crew des Bob- und Schlittenverbandes (BSD) absolviert. Allein, „weil Whistler die WM-Bahn für 2019 ist“, sagte Hübenbecker.

Aber der Fokus liegt natürlich zunächst auf Sotschi (Russland), wo die Weltmeisterschaft 2017 (13. bis 26. Februar) stattfindet und an das die Deutschen keine guten Erinnerungen haben – selbst Kevin Kuske nicht. Bei den Winterspielen 2014 waren die BSD-Piloten erstmals seit 50 Jahren ohne Olympia-Medaille geblieben. Hübenbecker hat deshalb schon mal als WM-Ziel ausgegeben: „Wir fahren dorthin, um zu gewinnen.“