Volksstimme: Müssen Sie jetzt, 24 Stunden nach ihrem Triumph, sich eigentlich zwicken, um das alles so richtig zu realisieren?

Andreas Ihle: Eigentlich nicht. Das war gestern ein Olympiasieg und ist es heute auch noch. Nur manchmal gucke ich noch, ob die Medaille noch da ist.

Volksstimme: Und wo ist sie?

Ihle: In der Hosentasche. Da war sie auch die ganze Nacht.

Volksstimme: Außer dieser Plakette, was bleibt von Olympia in der Erinnerung haften?

Ihle: Ein unglaubliches Rennen und einfach die geile Atmosphäre bei Olympia. Das sind nun meine dritten Spiele gewesen, aber so ein olympisches Dorf habe ich noch nicht erlebt. Gigantisch. Und dann werde ich mich stets gern an die vielen Freiwilligen erinnern, diese Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Klasse.

Volksstimme: Alle Welt wundert sich noch immer, da fahren zwei erst neun Wochen zusammen und werden dann gleich im ersten richtigen Wettkampf Olympiasieger. Wie geht das?

Ihle: Ja, wie geht das? Das war schon eine schwierige Zeit für mich. Erst das feste Ziel Olympia, dann plötzlich mit einem Bein wieder draußen. Nachdem mein langjähriger Partner Rupert Wagner krank geworden war, haben wir nach Alternativen gesucht. Martin (Martin Hollstein vom SC Neubrandenburg, d. Red.) war eine. Und so haben wir es probiert. Zunächst mussten wir uns noch in einem verbandsinternen Ausscheidungsrennen durchsetzen, dann haben wir zielgerichtet Olympia ins Visier genommen.

Volksstimme: Und dann gab es noch einmal eine Veränderung.

Ihle: Die Bundestrainer und auch mein Heimtrainer Guido Behling meinten, wir sollten es doch mal mit einem Positionswechsel versuchen. Ich habe mich anfangs ein wenig dagegen gesträubt. Schließlich war ich acht Jahre lang nur auf Schlag gefahren.

Volksstimme: Und fühlten sich plötzlich als olympischer Medaillengewinner in Ihrer Ehre gekränkt, dass dies nun der Nobody machen sollte?

Ihle: Nein, das war es eigentlich nicht. Ich hatte nur Angst, dass ich da hinten überhaupt nicht zurechtkomme. Aber diese Angst war ja offenbar unbegründet. Heute muss ich den Trainern danke sagen, dass sie so entschieden haben.

Volksstimme: Der Erfolg gibt ihnen recht. Aber eine Situation kurz vor der Zieldurchfahrt müssen Sie noch erklären.

Ihle: Ja, das will ich unbedingt richtigstellen. Das haben offenbar einige so gedeutet, dass ich nicht mehr konnte. Aber es war genau umgedreht. Als ich sah, dass uns Gold nicht mehr zu nehmen war, musste ein Urschrei unbedingt raus. Dabei habe ich das Paddel hochgerissen. Martin vorn, der das ja nicht sehen konnte, hat sich ganz schön erschrocken, als er plötzlich die volle Belastung auf seinem Paddel spürte. Aber keine Angst, ich hatte alles im Griff. Wie gesagt, ein geiles Rennen.

Volksstimme: Und nun ab in den Urlaub?

Ihle: Da meine Frau ab 1. Oktober wieder arbeiten geht, bleibt nur der September. Da kam die Einladung in den "Club der Besten" im September nach Marokko gerade recht.

Volksstimme: Dann starten die Ihles als Vierer?

Ihle: So kann man es sehen. Meine Frau Sandra darf ich ohnehin mitnehmen. Und für die beiden Kids Collin-Pascal und Charis wird sich schon noch irgendwo ein Plätzchen finden.