Magdeburg erlebte am Sonnabend eine Box-Gala, die gleich in zweifacher Hinsicht bemerkenswert war. Zum einen krönten sich erstmals in der Geschichte des modernen Faustkampf zwei Ungarn auf derselben Veranstaltung binnen 90 Minuten zum Weltmeister. Und zum anderen boxten zwei Athleten um einen WM-G ürtel, von denen einer gar nicht Champion werden konnte.

Als ein gewisser Johannes Brahms Mitte des 19. Jahrhunderts seine " Ungarischen Tänze " komponierte, mag er vieles im Sinn gehabt haben. Aber ganz gewiss nicht Zsolt Erdei und Karoly Balzsay. Doch was die beiden ungarischen Box-Profs da in der Nacht zum Sonntag in der Bördelandhalle aufführten, würde wohl sogar einen Brahms erfreut haben.

Nachdem Balzsay sich durch einen überraschenden Sieg in einem technisch hochklassigen Gefecht über Titelverteidiger Denis Inkin (Russland) die Krone als neuer Weltmeister des Verbandes WBO im Supermittelgewicht aufgesetzt hatte, hielt es seinen Landsmann Erdei – eineinhalb Stunden zuvor selbst Weltmeister im Halbschwergewicht geworden – nicht mehr in seiner Loge. Der 34-Jährige stürmte, Freudentränen in den Augen, in den Ring und vollführte zusammen mit seinem fünf Jahre jüngeren Landsmann wahre Veitstänze.

" Jetzt geht es zusammen nach Ungarn. Da geht die Party erst richtig los ", jubelte Erdei später in der Pressekonferenz. " Es ist, als hätte ich selbst gegen Inkin geboxt. Wenn Karoly verloren hätte, hätte ich ihm meinen Gürtel gegeben ", zeigte der stets fröhliche Erdei höchste landsmannschaftliche Gefühle.

Balzsay selbst konnte sein Glück noch immer nicht fassen: " Wahnsinn, mehr kann ich dazu nicht sagen. Es ist wie ein Traum. Ich habe immer noch Angst, dass ich aufwache und sich alles im Nichts auf öst. "

" Der Sieg war knapp, aber verdient ", schwärmte auch Trainer Fritz Sdunek über die Weltklasseleistung beider Athleten. " Das war Boxen vom Feinsten. " Doch was sich am Ende dank zweier Weltklasseduelle im Ring fast in Wohlgefallen auf öste, hatte eine fast schon dramatische Vorgeschichte.

Der Reihe nach. Nachdem der Herausforderer des Hauptkampfes um die WBO-Halbschwergewichts-WM, der Ukrainer Juri Barashian, am Freitagabend gewogen und als zu schwer befunden worden war (Volksstimme berichtete), drohte das Ganze zur Farce zu verkommen. Der Kampf findet zwar statt, teilte ein mehr oder weniger hilfoser WBO-Präsident Francisco Valcarel mit, doch egal wer gewinnt, Weltmeister bleibt Erdei.

Dieses Szenario stieß selbst dem übertragenden ZDF sauer auf, und so wurde Stunden vor dem Wettkampf entschieden, dass die Reihenfolge der beiden WM-Kämpfe getauscht wird. Erdei, der Star, musste so notgedrungen ins zweite Glied rücken. Seine Begegnung wurde nicht live übertragen. " Das macht mir nichts aus ", meinte er hinterher generös. " Ich gönne es Karoly. Ich bin da ganz Profi. Mir ging es darum, meine Leistung zu zeigen und Weltmeister zu bleiben. Und das habe ich getan. Fertig. "

Barashian, der mit seinem unprofessionellen Handeln den ganzen Ärger ausgelöst hatte, gab sich zumindest einsichtig. " Ich entschuldige mich. Vor allem bei Zsolt. Ich habe bis heute keine Erklärung dafür, wie das mit dem Übergewicht passieren konnte. Ich habe mich auf meine elektronische Waage verlassen. "

Dass er mit seinem Rippenspeck fast ein Millionengeschäft versaut hätte, schien ihm bis zum Ende nicht klar zu sein. Doch zumindest im Ring erwies er sich als ehrlicher Kämpfer und verlangte Erdei in dessen 30. Fight alles ab – obwohl er ja nicht Champion werden konnte. " Das haben wir honoriert, obwohl er den Vertrag mit uns verletzt hat ", so Universum-Geschäftsführer Stefan Braune. Deshalb muss der Ukrainer auch keine f nanziellen Einbußen befürchten.

Den Tausch der beiden Gefechte befürwortete auch Meistermacher Sdunek. " Pech für Balzsay nur, dass nicht auch die Gagen getauscht wurden ... "