Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 01.02.2010 23:00:00
Eine große Feier wird es morgen nicht geben, dafür ist das große Ziel WM für Joachim Löw einfach schon zu präsent. Gerade eine Woche mit Fitnesstest, Werbeaufnahmen und Medienworkshop hinter sich, eine Woche mit Spiele-Beobachtungen, Telefonaten und der EM-Qualifikations-Auslosung in Warschau vor sich, fällt der 50. Geburtstag ein wenig durch den Rost.

Berlin (dpa). Ohnehin sei er es "nicht gewohnt" zu feiern, gab Löw zu Protokoll. Erst im Sommer soll eine Endlos-Party steigen, am liebsten nach einem WM-Finalsieg am 11. Juli in Johannesburg. Getreu seinem Lebensmotto ("Warum sollen wir mit dem Zweitbesten zufrieden sein, wenn wir das Beste erreichen können?") steht das ganz große "Ding" für Löw erst nach seinem 50. bevor: Er will Deutschland zum vierten WM-Titel führen.

Mit der Trophäe in der Hand würde sich Löw in eine Reihe stellen mit den ganz großen Bundestrainern Sepp Herberger, Helmut Schön und Franz Beckenbauer, die 1954, 1974 und 1990 den WM-Titeltraum wahr werden ließen. Genau das reizt den gebürtigen Schwarzwälder. "Da geht man in die Geschichte ein bei diesen großen Turnieren", weiß der Leiter des Titel-Projekts 2010. Anfragen selbst engster Vertrauter nach Geschenken oder einem Anstoßen auf das halbe Jahrhundert beantwortete Löw auch deshalb mit dem Hinweis, eine SMS würde erst einmal reichen. "Gesundheit" stehe natürlich ganz oben, sagte Löw öffentlich zu seinen Wünschen.

Der einstige Profi, der mehr Spiele in der 2. Liga bestritt (252) als in der 1. (52), nie Nationalspieler war, aber sich mit Konsequenz in den Trainerjob kämpfte, hat sich den Titel Bundes-Jogi inzwischen verdient. Eigentlich "nur" als Assistent von Jürgen Klinsmann 2004 zur Erneuerung und Neuausrichtung der Nationalmannschaft angetreten, gehört Löw längst zu den wichtigsten Männern im deutschen Fußball. "Jürgen hat mir viel Verantwortung übergeben, das war mir wichtig", so Löw heute über seinen Einstieg beim DFB.

"Für mich war das vor einigen Jahren nicht vorstellbar, beim Verband zu arbeiten", erklärte Löw mit Hinweis auf die fehlende tägliche Arbeit auf dem Trainingsplatz. Doch nicht erst mit seinem Aufstieg zum DFB-Cheftrainer nach dem WM-Sommermärchen 2006 hat er inzwischen viel Spaß am Job des wichtigsten Trainers der Republik gefunden. "Den internationalen Fußball zu beobachten, Entwicklungen zu beobachten, mich mit anderen Trainern intensiv auszutauschen", gehört zu Löws Erfüllung.

Mehr als 30 Vertraute hat Löw inzwischen um sich versammelt, um seinen Masterplan, der bei der EURO 2008 im Finale gegen Spanien (0:1) noch gescheitert war, bei der WM in diesem Sommer umzusetzen. Dass er bei der EM 2012 sogar noch eine weitere Chance auf den ganz großen Wurf bekommt, falls es in Südafrika nicht die ganz große Pleite gibt, spricht für die starke Position, das große Können und die hohen Sympathiewerte von Löw.

Der neue Zwei-Jahres-Kontrakt mit DFB-Präsident Theo Zwanziger ist per Handschlag schon besiegelt. Doch Löw will vor der endgültigen Unterschrift ganz sicher sein, dass er seine Kompetenzen und Mitstreiter behält. "Ein Trainerteam ist das Allerwichtigste für einen Cheftrainer", betonte er und verwies auf das "besondere Vertrauensverhältnis" zu seinen Assistenten Hansi Flick, Andreas Köpke und zu Chefscout Urs Siegenthaler.