Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 22.02.2010 23:00:00
Nach dem goldenen "Matchbox-Rennen" gönnte sich André Lange im Kufenstüberl mehrere "Hopfenkaltschalen" und richtete den Blick auf die historischen Olympia-Läufe in der Königsklasse. "Egal ob Gold oder eine Medaille zum Abschied im Viererbob – er macht sich unsterblich", sagte Andreas Trautvetter, Präsident des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD). Sein Vize Rainer M. Jacobus meinte sogar: "Er ist der Schumacher des Bobsports. Nur vergleichbar mit dem legendären Italiener Eugenio Monti."

Der Oberhofer selbst war nach seinem vierten Olympia-Gold und dem Aufstieg zum erfolgreichsten Bob-Piloten der Welt cool wie immer und glänzend aufgelegt: "Also ich sage mal ganz ehrlich: Ich muss immer noch die Hose runterziehen, wenn ich auf Toilette gehe, ich bin auch nur nackig auf die Welt gekommen. Es ist für den Moment einfach nur schön, und das kosten wir 24 Stunden aus", betonte Lange. Das gestrige erste Training für sein allerletztes Rennen am Wochenende im Viererbob ließ er aus.

Nervenstark ließ sich der Routinier vor den Augen von Fürst Albert II. von Monaco in den letzten beiden Läufen in Whistler nicht mehr aus der Goldspur drängen. Hinter Lange und dessen Top-Anschieber Kevin Kuske jubelten der Riesaer Thomas Florschütz und sein Bremser Richard Adjei über Silber. Beide Teams machten damit den ersten deutschen olympischen Bob-Doppelsieg seit 26 Jahren perfekt. Bei den Winterspielen 1984 in Sarajevo hatte Wolfgang Hoppe im Zweier und Vierer Gold vor Bernhard Lehmann geholt.

Auf dem umstrittenen Hochgeschwindigkeitskurs verwies Lange nach traumhaft sicheren vier Fahrten Florschütz mit einem Vorsprung von 0,22 Sekunden auf Rang zwei. Dritter wurde der Russe Alexander Subkow, der bereits 0,86 Sekunden Rückstand auf Lange hatte. Der Königsseer Karl Angerer verpasste dagegen als Neunter die Medaillenränge klar. Nach 14 Stürzen im Training und vier umgekippten Bobs in den beiden ersten Läufen blieben Unfälle in den abschließenden Durchgängen aus.

Lange bescherte der deutschen Mannschaft die sechste Goldmedaille bei den Winterspielen in Vancouver. "Jetzt ist Fasching im Kopf", sagte der Thüringer, "jetzt werden wir das Ganze erst einmal genießen und eine Hopfenkaltschale zu uns nehmen." Ein Bierchen hatte sich auch Florschütz redlich verdient. "Wir haben unser Bestes gegeben. . Es war ein richtig schöner Wettkampf", sagte der Riesaer, der erst mal das Bäuchlein seiner hochschwangeren Freundin Diane streichelte. "Als Mann kann man das sowieso nicht begreifen, wie das so alles funktioniert. Der Moment, wenn es soweit ist, wird noch größer als das Silber-Erlebnis. Das wird die schönste Zeit, die man sich als Paar vorstellen kann", sagte Florschütz, der Ende April Vaterfreuden entgegensieht.