Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Wernigerode PZS: WR Prio: höchste Priorität IssueDate: 01.03.2010 23:00:00
Selbst Jacques Rogge hielt Vancouver am Ende der Winterspiele für keine dopingfreie Zone. "Ich bin nicht naiv. Ich werde mein endgültiges Urteil 2018 fällen", sagte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mit Hinweis auf die achtjährige Lagerung der Proben. "Nachtests auf das Blutdopingmittel CERA haben nach Peking 2008 sechs Athleten überführt. Wir haben genügend Zeit, um derzeit nicht nachweisbare Mittel aufzuspüren", sagte der belgische Mediziner.

Der als Dopingjäger bekannte Molekularbiologe Prof. Werner Franke fordert deshalb auch Nachtests der ebenfalls acht Jahre lagernden Proben von Olympia 2006 in Turin. "Es gibt mehr als nur Anzeichen dafür, dass CERA 2006 benutzt wurde. Aber die Herren Funktionäre haben gemerkt: Ach Gott, ach Gott, da könnte eine Lawine auf uns zukommen. Es will keiner, dass der ganz große Sport hochfliegt", sagte Franke der "Bild am Sonntag".

Franke behauptet: "Viele Ausdauer-Athleten sind vollgepumpt. Gedopt wird direkt nach einem Test. Dann können sich die Athleten sicher sein, dass in den nächsten 24 Stunden nicht erneut getestet awird. Der Kontrolleur müsste drei, vier Stunden später plötzlich wiederkommen."

Am Schlusstag der Spiele waren 1750 Analysen der gut 2000 Tests seit Öffnung des Olympischen Dorfes am 4. Februar negativ. Es gab zwei Ausnahmen durch Eishockeyspieler, die wegen leichter Stimulanzien verwarnt, aber nicht disqualifiziert wurden: vor dem Auftakt der Spiele die Russin Swetlana Terentewa, am Schlusstag der Slowake Lubomir Visnovsky, der in der A-Probe positiv auf ein Pseudoephedrin getestet wurde.

"Wenn wir glauben würden, es gäbe keine Betrüger, bräuchten wir die Proben nicht einzufrieren", sagte auch IOC-Vize Thomas Bach, der als Chef der Disziplinarkommission 2006 in Turin mit sieben Fällen beschäftigt war, die zu zweijährigen Sperren geführt hatten. Auch 2002 in Salt Lake City hatte es die gleiche Anzahl an überführten Athleten gegeben, darunter Dreifachsieger Johann Mühlegg, den für Spanien gestarteten Bayern.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hatte 2009 und zu Beginn 2010 zwar über 30 Athleten überführt und die Spiele aus Sicht von Rogge sauberer gemacht. Doch gerade im Bereich EPO-Doping gibt es leicht veränderte Mittel, die noch durch das Analyseraster fallen. Bald könnten sie schon auffindbar sein, doch Eigenblutdoping erst dann, wenn von vielen Athleten Blutprofile angelegt wurden, die im Falle von Manipulation dann deutlich veränderte Parameter zeigen.