Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 15.03.2010 23:00:00
Sachir (dpa). Seine Rückkehr hat selbst die Olympia-TV-Hits übertroffen, und die gute Laune dürfte sich Michael Schumacher auch durch höhnische Kommentare aus Italien nicht verderben lassen. "Es wäre ja vermessen anzunehmen, ich käme da hin, setze mich ins Auto und fahre allen um die Ohren – ich jedenfalls hatte das nicht angenommen", erklärte Schumacher am Tag nach seinem ersten Formel-1- Rennen seit über drei Jahren. "Schumacher hat sein letztes Wort noch nicht gesprochen", prophezeite "Le Parisien" aus Frankreich.

Das gilt ganz gewiss genauso für Sebastian Vettel, nachdem eine defekte Zündkerze alle Sieghoffnungen des Vizeweltmeisters aus Heppenheim zunichte gemacht hatte beim wenig spektakulären WM-Auftakt in der Wüste von Sachir. "Wir nehmen viel Positives mit nach Melbourne", betonte der viertplatzierte Vettel, ehe es im Flieger zurück in die Schweizer Wahlheimat ging. Nicht ohne dickes Lob vom Arbeitgeber: "Die Leistung von Sebastian war unglaublich", meinte Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko.

Vettel reist in gut einer Woche mit dem sicheren Gefühl nach Australien, dass der Red Bull den siegreichen Ferrari Paroli bieten kann. Schumacher, stolz auf und "sehr, sehr happy" über seine eigene Leistung beim Großen Preis von Bahrain, weiß dagegen, dass auf die Silberpfeile noch jede Menge Arbeit zukommt. "Sitzt Schumi für seinen angestrebten achten WM-Titel drei Jahre lang im falschen Auto?", fragte bereits die Schweizer Boulevard-Zeitung "Blick". Denn die "Rote Göttin" war am Sonntag teuflisch gut. "Die Saison ist sehr, sehr lang, und wir müssen mit den Füßen auf dem Boden bleiben", mahnte Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali nach dem Sieg durch Neuzugang Fernando Alonso vor Felipe Massa an.

In der Heimat brach aus Sicht der "Gazzetta dello Sport" aber schon eine "neu Ferrari-Ära" an, "Tuttosport" schwelgte: "Die Wüste ist rot. Was für eine Wiederauferstehung!" Für den von ihnen einst gefeierten ehemaligen Ferrari-Star gab es dagegen Saures. "Schumacher, der Weltmeister der Arroganz", schrieb "Il Secolo XIX", die "Gazzetta dello Sport" meinte: "Schumacher hat niemand gesehen" und der "Corriere della Sera" erklärte das erste Rennen des siebenmaligen Weltmeisters seit dem 22. Oktober 2006 kurzerhand zum "seltsamen Sonntagnachmittag des Herrn Michael".

Schumacher, im ersten internen Duell sowohl in der Qualifikation als auch im Rennen vom 17 Jahre jüngeren Teamkollegen Nico Rosberg geschlagen, weiß, wo die Probleme liegen. Das fehlende übliche Nickerchen, zu dem er am stressigen Rennsonntag nicht kam, war es nicht. Er selbst klagte, am gesamten Grand-Prix-Wochenende noch nicht den richtigen Rhythmus gefunden zu haben. Dazu kommt, dass der neue MGP W01 noch nicht so weit ist, die Taktzahl vorzugeben. Seinen ersten Auftritt absolvierte Schumacher auf dem Bahrain International Circuit zwar nicht vor vollen Rängen, dafür war es der Hingucker im deutschen TV. 10,51 Millionen Menschen schauten sich das Rennen an, in dem Überholmanöver zum Leidwesen aller Beteiligter Mangelware blieben. Schumachers 251. Rennen übertraf in Sachen Fernsehzuschauer alle TV-Sporthits in diesem Jahr, inklusive Olympia. Die Biathlon-Staffel der Damen (10,03 Millionen) in Vancouver wurde von der Formel 1 locker überholt. Nur eine "Wetten, dass. ..?" Sendung (10,82 Millionen) stieß 2010 bisher auf ein noch größeres Interesse. Der Bezahlsender "Sky" verzeichnete im Vergleich zum Grand Prix von Bahrain vor einem Jahr – damals auch nicht der WM-Auftakt – nach eigenen Angaben einen Zuwachs von 78 Prozent.