Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Wernigerode PZS: WR Prio: höchste Priorität IssueDate: 15.04.2010 22:00:00
Von Rudi Bartlitz

Magdeburg. Szenen wie diese kennt man im Profi-Boxen zur Genüge: Vor dem Kampf stehen sich die Kombatanten mit eisig-giftigem Blick gegenüber, oft begleitet von Worten, die am anderen kaum noch etwas Gutes lassen. Im schlimmsten Fall gehen sie sich schon bei der Pressekonferenz oder beim Wiegen an die Wäsche.

Wer Robert Stieglitz und Eduard Gutknecht in diesen Tagen beobachtet, erlebt genau das Gegenteil: Eine herzliche Begrüßung, freundliche Worte. "Wie geht‘s, was macht die Familie, wie war das Training?"

Ja, bestätigen beide, wir sind Freunde. Deshalb sind sie, auch wenn sie das öffentlich kaum zugeben, gar nicht so begeistert davon, dass sie morgen Abend in der Magdeburger Bördelandhalle (ZDF live 23.15 Uhr) um die WBO-Weltmeisterschaft im Supermittelgewicht boxen sollen.

"Dass man hin und wieder mal gegen Trainingskollegen antreten muss, kenne ich aus dem Amateurlager", sagt Gutknecht. "Aber bei den Profis gegen einen guten Freund, und dann noch um die WM zu kämpfen, ist natürlich nicht besonders schön."

Gutknecht und Stieglitz kennen sich seit ihrer Jugendzeit. Der eine, der in Kasachstan geborene Gutknecht, war 1995 mit Eltern und zwei Geschwistern in den Landkreis Gifhorn gekommen. Der andere, der im russischen Ejsk aufgewachsene Stieglitz, im Jahr 2000 nach Magdeburg übergesiedelt.

Die gegenseitige Wertschätzung der beiden 28-Jährigen ist nicht zu überhören. "Schon früher habe ich Robert bewundert", meint Gutknecht. "In jüngster Zeit hat er sich auch technisch sehr verbessert." Stieglitz sieht es so: "Wir haben schon oft Sparring miteinander gemacht. Eddy ist boxerisch sehr gut ausgebildet und konditionell stark."

Und doch – morgen Abend ab 22 Uhr ruht die Freundschaft erst einmal. Zumindest für eine Stunde. Dann zählt nur noch der WM-Gürtel, den Stieglitz derzeit in seinem Besitz hat.

"Das ist meine Chance", merkt Gutknecht an. "Darauf habe ich 15 Jahre gewartet. Wenn ich sie jetzt nicht nutze, kommt sie vielleicht nie wieder. Deshalb werde ich auch kein Mitleid mit Robert haben."

Das erwartet Stieglitz auch nicht. "Ich bin Weltmeister und will es auch bleiben. Also muss er sich etwas einfallen lassen, wenn er mich stürzen will."

Es kann spannend werden ...