Die beherzte und kalkulierte Attacke von Felix Magath im Kampf um die deutsche Fußball-Meisterschaft parierte der FC Bayern München mit einer Demonstration der Stärke.

Düsseldorf (dpa). "Klar ist der Titel das Ziel", kündigte der gewiefte Schalke-Chefcoach nach dem 3:1 gegen Borussia Mönchengladbach an. Nur drei Stunden konnten sich die "Königsblauen" nach Magaths Angriff als Tabellenführer fühlen, dann schlug der Rekordmeister von der Isar fulminant zurück: Mit einer 7:0-Torgala gegen Hannover 96 stellten die Münchner den Zwei-Punkte-Abstand auf Schalke vor den letzten drei Partien wieder her.

Borussia Dortmund hat gestern den erhofften Sprung auf den dritten Platz knapp verpasst und musste beim 1:1 (0:0) gegen 1899 Hoffenheim zudem zwei Verletzte beklagen. Nelson Valdez gelang in der 57. Minute zunächst die 1:0-Führung, doch BVB-Abwehrspieler Mats Hummels sorgte mit einem Eigentor eine Minute vor Schluss für den aus Dortmunder Sicht unglücklichen Ausgleich.

Auf der Jagd nach dem Titel-Triple gelang dem FC Bayern eine meisterliche Generalprobe für das Champions-League-Halbfinale am Mittwoch gegen Olympique Lyon. "Für den Geist sind sieben Tore gut. Das gibt uns viel Vertrauen für Lyon", freute sich Münchens Superstar Arjen Robben, der drei Treffer zum Kantersieg über die Schalke-Bezwinger und Tabellen-Vorletzten Hannover beisteuerte.

Bayern-Coach Louis van Gaal war begeistert: "Das war Spaß auf dem Rasen, für die Leute und auch für den Trainer." Eine Qual war es für seinen Kollegen Mirko Slomka, der nach dem 4:2 gegen Schalke viel Hoffnung im Abstiegskampf geschöpft hatte. "Sie haben uns auseinandergenommen", lautete sein Fazit.

Trotz des höchsten Bayern-Erfolgs seit 20 Jahren hofft Schalke, am 8. Mai nach 52 Jahren wieder die Meisterschale in der Hand zu haben. "Ich glaube aufgrund der Zusatzbelastung der Bayern in der Champions League nicht, dass sie alle Bundesliga-Spiele gewinnen", meinte Magath und spekuliert schon in der nächsten Partie der Bayern in Gladbach auf einen Ausrutschter des Titel-Kontrahenten.

Aus einem Traum wird für Bayer Leverkusen nach dem 1:2 beim VfB Stuttgart immer mehr ein Alptraum. 16 Mal stand die Werkself an der Tabellenspitze, nun droht sogar im ärgsten Fall der Sturz aus den Europa-League-Plätzen. "Es ist sehr bitter, da die Mannschaft große Moral bewiesen hat", sagte Bayer-Trainer Jupp Heynckes. Das drohende Aus der Champions-League-Ambition und fünf Spiele in Serie ohne Sieg nagen an der Psyche.

Von der Schwäche der Bayer-Truppe profitierten nicht nur die Schwaben, die als Tabellen-Sechster einer Europa-League-Teilnahme nahe sind, sondern auch Werder Bremen. Die Hanseaten sind nach dem glänzenden 4:2 gegen Meister VfL Wolfsburg nun mit ebenfalls 54 Punkten auf Augenhöhe mit den Rheinländern. "An die Champions League denken wir derzeit nicht, wir haben noch schwere Spiele", sagte Werder-Coach Thomas Schaaf. Spieler des Tages war Torsten Frings, der nach seiner Ausbootung aus der Nationalelf eine WM-reife Leistung zeigte und den anwesenden Bundestrainer Joachim Löw nach dem Abpfiff attackierte: "Ob er jetzt da ist oder nicht, ist egal. Die Hoffnung auf die WM ist mir ja genommen worden."

Mit leeren Händen könnte am Ende der HSV dastehen, der nach der 0:1-Heimpleite gegen FSV Mainz 05 auf Platz sieben und aus der Europa-League-Region abrutschte. "Wir wollten, aber es haben 10 bis 15 Prozent gefehlt, warum auch immer", sagte HSV-Coach Bruno Labbadia. Beim sportlichen Überlebenskampf gelang dem SC Freiburg mit dem 2:1 gegen den 1. FC Nürnberg ein wichtiger Erfolg. Ein entscheidender Befreiungsschlag war es jedoch nicht: Die Freiburger zogen zwar an Hannover vorbei auf Rang 16, liegen aber mit je 28 Punkten mit Nürnberg und Bochum gleichauf.