Die Hochwasserlage spitzt sich in den kommenden Tagen weiter zu. Heute wird mit dem Ziehen des Pretziener Wehrs die Alarmstufe III ausgerufen und nach den bisherigen Erkenntnissen ist auch ein Überschreiten der Alarmstufe IV (6,40 Meter am Pegel Barby) nicht ausgeschlossen. Die Stadt setzt ab heute 6 Uhr Deichwachen ein. Zusätzliche Straßen mussten gesperrt werden. Überflutete Bereiche sollten nicht mehr betreten werden.

Magdeburg. Obwohl heute ab 9 Uhr das Pretziener Wehr gezogen wird, muss sich die Landeshauptstadt auf einen weiterhin steigenden Pegel der Elbe in der kommenden Woche einstellen. Nach einem Schätzwert der Hydrologen wird am Mittwoch die 6-Meter-Marke überschritten. Damit reicht die Flut bereits an das Winterhochwasser 2006 heran, bei dem ein Wert von 6,25 Meter am Pegel Magdeburg erreicht wurde. Das Jahrtausendhochwasser 2002 erreichte einen Wert von 6,71 Meter. Das Problem: Auch weiterhin ist ein Scheitel nicht in Sicht. Die tschechischen Behörden melden stark steigende Pegel von Eger, Moldau und oberer Elbe, die für den weiteren Verlauf des Hochwassers entscheidend sind. Hinzu kommen die hohen Wasserstände der Nebenflüsse in der mittleren Elbe.

Aus diesen Gründen werden bereits ab heute im Stadtgebiet Deichwachen eingesetzt. Das hat gestern der Stab für außergewöhnliche Ereignisse (Vorstufe des Katastrophenschutzstabes) beschlossen. "Die dafür vorgesehenen Mitarbeiter wurden heute im Alten Rathaus umfassend eingewiesen, auch die erforderliche Technik steht bereit", sagte gestern Ordnungsbeigeordneter Holger Platz. So stellte gestern ein Einsatzzug der Feuerwehr Sandfüllmaschinen im Kieswerk Barleben auf, um im Ernstfall unverzüglich die Arbeit aufnehmen zu können.

Wegen der Überschwemmungen im elbnahen Bereich wurden gestern weitere Straßen durch das Tiefbauamt gesperrt:

- komplette Südspitze des Stadtparks Rotehorn

- der Elbweg

- der Unterhorstweg

- die Straße Am Kuhanger

- die Kieler Straße

- der Klosterhof

- die Prinzenwiese in Randau

- die Fußgängertreppe am Lukashügel

- die Unterführung in Friedensweiler, die Eisenbahnunterführung in der Breitscheidstraße und die Zufahrt zum Mückenwirt.

Ordnungsbeigeordneter Holger Platz: "Die überfluteten Bereiche sollten auf keinen Fall betreten werden, dort besteht Lebensgefahr." Auch für die Deiche besteht bald ein Betretungsverbot. Im Jahr 2006 hatte das Ordnungsamt 24 Platzverweise und sieben Verwarngelder gegenüber sogenannten Hochwassertouristen ausgesprochen.

Der Ordnungsbeigeordnete und Leiter des Stabes Holger Platz bittet gleichzeitig dringend darum, dass alle Eigentümer von Gärten im flussnahen Bereich ihr Eigentum zu schützen, Wertgegenstände in Sicherheit bringen und Stromanschlüsse vom Netz nehmen.

Auch Vereine, die flussnahe Bootshäuser oder andere Sportanlagen betreiben, sollten ihr Eigentum umgehend in Sicherheit bringen. Die Deiche sind vom Landesamt für Hochwasserschutz in Magdeburg nach dem Hochwasser 2002 saniert und zum Teil mit Spundwänden verstärkt worden. Im Bereich Herrenkrug wurde ein Deich neu gebaut, um ein Zurückdrängen des Wassers aus dem Überflutungsgebiet in den Park zu vermeiden.