Bereits am morgigen Dienstag soll in Magdeburg die höchste Hochwasser-Alarmstufe IV erreicht werden. Aus diesem Grund ist seit heute Morgen 6 Uhr das Betreten aller Deiche verboten. 7000 Sandsäcke werden heute befüllt und von Einsatzkräften der freiwilligen Feuerwehren an den kritischen Stellen in der Oststraße, am Sarajevoufer und der Straße Im Siek zweilagig aufgebaut. 54 Deichwachen sind rund um die Uhr im Einsatz.

Magdeburg. Während der Pegel der Elbe am Wochenende wegen des Ziehens des Pretziener Wehrs wieder leicht fiel, soll am morgigen Dienstag die höchste Hochwasserwarnstufe IV erreicht werden. Der Leiter des Stabes für außergewöhnliche Ereignisse, Holger Platz, erklärt: "Aus diesem Grund gilt ab Montagmorgen 6 Uhr ein absolutes Betretungsverbot für alle Deiche." Damit wird der Elberadweg am Ostufer komplett von der Kreuzhorst bis zum Herrenkrug gesperrt. Deichexperte beim Landeshochwasserbetrieb Ronald Günther erklärt, warum das Betreten der Deiche verboten ist, auch wenn sich auf der Krone eine Asphalt- oder Pflasterdecke befindet: "Zum einen ist es wichtig, dass die Einsatzkräfte im Bereich der Deiche nicht gestört werden. Zum anderen können wir nur so sicherstellen, dass die Deiche keinen Schaden außerhalb der Tragschicht nehmen." Der Experte rechnet mit einer langen Belastung der Schutzwälle. Noch ist schließlich unklar, wie lange das Hochwasser bleibt. Es könnte zum Aufweichen der Deiche kommen. "Wir sind aber mit unseren Hochwasseranlagen gut aufgestellt", erklärt der Experte. 54 Deichwachen sind mit jeweils 9 Doppelstreifen in drei Schichten im Einsatz.

Um die kritischen Stellen in der Stadt zu sichern, beginnen heute die Einsatzkräfte der freiwilligen Feuerwehren 7000 Sandsäcke zu verfüllen. Diese sollen zweilagig eine Überflutung des Sarajevoufers, der Oststraße und der Straße Im Siek verhindern. "Im Interesse der eigenen Sicherheit sollten die Absperrungen im Uferbereich strikt eingehalten werden", sagt Ordnungsbeigeordneter Holger Platz.

Das größte Problem dürfte zurzeit das Drängwasser und der steigende Grundwasserpegel sein. Der Herrenkrugpark soll sich in den nächsten Tagen trotz neuer Deiche weiter zur Seenplatte entwickeln. Schon gestern waren viele Wege von Drängwasser überflutet. "Je länger das Hochwasser bleibt, desto mehr wird sich das Problem noch verschärfen", befürchtet Ronald Günther vom Landeshochwasserbetrieb. Das Herrenkrughotel ist zurzeit nicht gefährdet. Zur Vorsorge war dort in den letzten Jahren ein kleiner Wall gegen das Drängwasser gebaut worden. Außerdem gibt es eine Pumpenanlage, die in dieser Woche in Betrieb gehen soll.

Dramatische Szenen spielten sich gestern Nachmittag gegen 16.30 Uhr in Höhe des Petriförders ab. Die Feuerwehr musste zwei Rehe aus dem Strom retten. Für ein Tier, das die Retter mit dem Boot aus der Flussmitte bargen, kam bereits jede Hilfe zu spät. Das andere konnte mit einem Schlauchboot ans Ufer gebracht werden. Dort nahmen das Reh die Einsatzkräfte der Tierrettung in Empfang. Ob das Tier allerdings aufgrund des Erschöpfungszustandes überlebte, blieb bis zum Abend unklar.

Die Hochwasservorhersagezentrale erwartet ab Donnerstag einen sehr lang gestreckten Hochwasserscheitel.

   

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