Als Anfang Dezember eine Schülerin der Fit Bildungs-GmbH mit akuter Leukämie ins Krankenhaus eingeliefert werden musste, war die Bestürzung unter ihren 1200 Mitschülern groß. Auf Initiative einer Dozentin wurde eine bemerkenswerte Spendenaktion gestartet. Nachdem in den Klassen Geld gesammelt wurde, gaben gestern 115 Schüler Blut für eine Typisierung und Registrierung in der Knochenmark-Spenderdatei ab.

Sudenburg. Anfang Dezember klagte eine 23-jährige Schülerin der Fit Bildungs-GmbH über starke Rückenschmerzen. Bei einer Untersuchung stellten Ärzte bei ihr eine akute Leukämie fest. Die junge Frau, die mitten in der Ausbildung einer Medizinisch-technischen Assistentin (MTA) steckte, kam sofort ins Krankenhaus. Derzeit muss sie sich einer Chemotherapie unterziehen – für den Fall, dass diese nicht den gewünschten Erfolg bringt, wird bereits jetzt weltweit in Stammzellenspenderdateien nach einem geeigneten Spender gesucht.

Ihre Mitschüler blieben angesichts der plötzlichen Erkrankung bestürzt und zunächst ratlos zurück: "Wie können wir helfen?" Dozentin Dr. Petra Richter wollte nicht tatenlos zusehen und initiierte eine ungewöhnliche Spendenaktion. Mit einer Büchse ging sie von Klasse zu Klasse und bat um Geld. Es sollte helfen, die Typisierung von Knochenmarkspenden zu finanzieren. Knochenmark bzw. Stammzellen gelten als einzige Heilungschance für Leukämie-Erkrankte, wenn die Chemotherapie nicht anschlägt. Jede Typisierung aber kostet 50 Euro. Petra Richter hatte bis Weihnachten 1300 Euro von Schülern und Lehrern gesammelt – und ganz nebenbei auch die Bereitschaft von vielen notiert, selbst als Knochenmark-Spender zur Verfügung zu stehen.

Natürlich war auch Dr. Helga Klemmt, Geschäftsführende Gesellschafterin der Fit Bildungs-GmbH, von der schweren Erkrankung ihrer Schülerin bestürzt. Andererseits zeigte sie sich auch schwer beeindruckt von der Großzügigkeit ihrer Zöglinge: "Man darf nicht vergessen, dass wir eine private Schule sind, in der die Schüler Schulgeld zahlen müssen und zugleich kein Einkommen, etwa Lehrlingsentgelt, haben." Sie selbst wollte da nicht abseits stehen und stockte die Spendensumme auf 2500 Euro auf.

Gestern wurde nicht nur das Geld an Prof. Marcell U. Heim vom Institut für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie des Uniklinikums übergeben, sondern zugleich eine Spendenaktion im Haus durchgeführt. Immerhin kamen 115 Schüler und Mitarbeiter, um Blut für eine Typisierung als Knochenmark- oder Stammzellenspender abzugeben.

Seit 1995 sind in Magdeburg 37 000 Spender registriert worden. Über 250 davon retteten Leben in Deutschland (100) und im Rest der Welt (150). Nach Angaben von Prof. Heim sind weltweit etwa 14 Millionen Menschen als Knochenmark- oder Stammzellenspender registriert – doch nur 15 Prozent der Erkrankten finden einen passenden Spender. Zu individuell sind die insgesamt zwölf Merkmale, die perfekt übereinstimmen müssen.

Andererseits steigen die Heilungschancen von Jahr zu Jahr. Derzeit überleben rund 70 Prozent der Transplantierten die entscheidenden ersten fünf Jahre. "Danach", so Prof. Heim, "gehen Mediziner von einer Heilung aus."

   

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