Nach dem Brand gestern Vormittag im städtischen Pflegeheim in der Johannes-Göderitz-Straße beginnt nun die Suche nach der Ursache des Feuerdramas, bei dem drei Bewohnerinnen schwer und fünf weitere Menschen leicht verletzt wurden. Nach ersten Erkenntnissen wird ein technischer Defekt im Bereich des Bettes einer Bewohnerin nicht ausgeschlossen. Ein Sachverständiger soll den zurzeit versiegelten Brandort am Montag untersuchen.

Neu-Olvenstedt. Die rund 140 Bewohner des sechsgeschossigen städtischen Pflegeheims Olvenstedt wollten am Dienstag das 25-jährige Bestehen der Einrichtung feiern. Doch die Brandkatastrophe von gestern Vormittag wird dieses Jubiläum überschatten. Drei Bewohnerinnen schwebten noch am Nachmittag in Lebensgefahr. Noch ist unklar, ob sie überleben werden. Das Protokoll des Dramas:

8.15 Uhr, im betroffenen Zweibett-Zimmer: Während die Mitbewohnerin einer 85-jährigen Frau frühstücken geht, bleibt erstere zurück. Sie kann nicht aufstehen, ist bettlägerig. Aus bisher ungeklärter Ursache bricht im Bereich des Bettes der nicht anwesenden Mitbewohnerin ein Feuer aus.

8.19 Uhr: Der Rauchmelder löst Alarm aus und ruft automatisch die Feuerwehr. Die zuständige Wohnbereichsleiterin stürzt in das Zimmer, trägt die 85-Jährige auf dem Arm heraus und auf den Flur hinter eine Brandsicherheitstür. Sie kann die Zimmertür deshalb hinter sich nicht verschließen. Der Brand erhält durch ein angeklapptes Fenster zusätzlich Sauerstoff. Der Rauch dringt so ungehindert in den Flur. Es wird alles schwarz, die Mitarbeiterin kann nicht mehr zurück zu den anderen Hilfebedürftigen. Noch drei Frauen und ein Mann sind in ihren Zimmern eingeschlossen.

8.25 Uhr: Der erste Löschzug trifft ein. Die Einsatzkräfte melden eine dicke Rauchwolke, die aus der 5. Etage steigt.

8.26 Uhr: Der Einsatztrupp sucht systematisch mit Atemschutzmasken die Zimmer in dem verqualmten Etagenbereich ab. Die Sicht ist gleich null. Deshalb zeichnen die Einsatzkräfte mit Kreide ein Kreuz an jede Tür, die sie kontrolliert haben. In einem Zimmer stoßen die Feuerwehrleute auf zwei Frauen. Eine hängt am Tropf, ist bettlägerig. Die andere befindet sich mit ihrem Rollstuhl im Bad. Beide werden mit einer sogenannten Fluchthaube das kurze Stück hinter die Brandschutztür gebracht. Dort nehmen die Rettungssanitäter sie in Empfang. In einem Einzelzimmer wird eine 96 Jahre alte Frau in ihrem Bett gefunden. Auch sie wird in Sicherheit gebracht.

8.27 Uhr: Es wird der Löschzug der Wache Süd, die Freiwillige Feuerwehr Olvenstedt, zwei Rettungswagen und der Notarzt alarmiert. Er fliegt mit dem Hubschrauber ein.

8.34 Uhr: Der Leitende Notarzt trifft am Pflegeheim ein. Der Mediziner organisiert die Versorgung der Patienten und richtet einen "Behandlungsplatz" gleich hinter der Brandschutztür ein.

8.39 Uhr: Es wird Großalarm "MANV 10-30" (die Abkürzung steht für Massenanfall an Verletzten, die Zahl für 10 bis 30 Personen) ausgelöst. Es befinden sich drei Notarztwagen, ein Hubschrauber, 16 Feuerwehrfahrzeuge, fünf Rettungs- und sieben Krankentransporter vor Ort.

8.40 Uhr: Das Feuer ist unter Kontrolle. Nun muss der Rauch abgeleitet werden. Die Evakuierung ist abgeschlossen. Insgesamt haben 28 Bewohner ihre Zimmer verlassen müssen. Vier Mitarbeiter werden ebenfalls in die Rettungswagen gebracht. Eine der drei schwer verletzten Frauen muss wiederbelebt werden, die anderen beiden erhalten eine künstliche Beatmung.

Gegen 9 Uhr: Die Notfallseelsorger treffen ein. Sie kümmern sich um die zurückgebliebenen Bewohner. Die Angehörigen der Opfer werden verständigt. Später steht fest: Die gesamte Etage wird gesperrt. 18 Bewohner müssen auf umliegende Heime verteilt werden. Sechs erhalten Betten im Haus.

Gegen 9.30 Uhr: Die Kripo nimmt die Ermittlungen auf. Ein technischer Defekt könnte als Ursache in Frage kommen.

   

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