Der Winter 2010/11 hat im 1000 Kilometer langen Stadtstraßennetz verheerende Spuren hinterlassen. Schon jetzt schätzt das Tiefbauamt die Schäden auf 2 Millionen Euro. Das Ende der Fahnenstange dürfte nicht erreicht sein: Kalendarisch dauert der Winter noch fast zwei Monate.

Magdeburg. Spitze Zungen behaupten, es wäre einfacher für das Tiefbauamt, jene Straßen zu benennen, auf denen es keine Winterschäden gibt. Nach der letzten Schneeschmelze jedenfalls präsentieren sich auf den meisten Stadtstraßen sogar flächendeckend die Schlaglöcher.

"Wir haben allein im südlichen Stadtbereich auf 40 Straßen große Schäden erfasst", sagte Tiefbauamtsleiter Thorsten Gebhardt der Volksstimme. In den anderen zwei Baubereichen sieht es nicht besser aus – insgesamt sind auf der Liste weit über 100 Straßen erfasst.

"Eiszeit" ist längst nicht vorbei

Derzeit beziffert das Tiefbauamt den Schaden am Straßennetz mit rund 2 Millionen Euro. Das ist schon jetzt fast etwa genauso viel wie im vorigen Winter. Dabei ist die "Eiszeit" mit Sicherheit nicht vorbei.

"Wir befürchten, dass es bei den 2 Millionen Euro nicht bleiben wird", blickt Gebhardt sorgenvoll in die Zukunft. Jede erneute Frost-Tau-Periode potenziert den Schaden.

Selbst der Magdeburger Ring als Straße im relativen Bestzustand hat gelitten.

Risse, kleinere Löcher und Dellen ziehen sich zwischen Mittagstraße Südringkreuzung über Kilometer hin. Der Bereich Brenneckestraße weist ein ganzes Netz an Rissen auf.

Für Gebhardt ist klar. Allein bekommt die Stadt die Reparaturen nicht in den Griff. Auch sein Amt hofft auf die versprochene Landeshilfe. Insgesamt 15 Millionen Euro wurden gestern vom Landesverkehrsminister für Kommunen avisiert.

Immerhin seien sowohl der Ring als auch die B1 wichtige Durchgangs- und Zubringerstraßen von überörtlicher Bedeutung. Entsprechend groß sind Verkehrsbelegung und Verschleiß.

Billige Reparatur, kurze Haltbarkeit

Gestern hatte es aus dem Land positive Signale gegeben. Sie werden in den nächsten Tagen auch bei der Stadt ankommen. Natürlich habe man sich auch so eine Strategie gegen die Winterschäden zugelegt, und man repariere auch, sagte der Amtsleiter.

Vorrang haben seinen Auskünften nach der Magdeburger Ring und die großen Magistralen wie die Lübecker und Schönebecker Straße oder die Halberstädter Straße und Chaussee. Das derzeit offene Wetter sei auch genutzt worden, um durch schnelle Reparaturen Verkehrsgefährdungen zu vermeiden. Dabei werden sogenannte Patcher eingesetzt.

Die Maschinen verfüllen Schlaglöcher mit Bitumen-Splitt-Gemisch.

Mit dieser Methode kann schnell reagiert werden, sie ist kostengünstig. Aber die Haltbarkeit ist begrenzt.

Beispiele: Sowohl auf der Halberstädter Straße als auch auf der Hallischen Straße gähnen genau diese Löcher, die im vorigen Winter mit Hilfe des Patchers geschlossen worden sind. Anschaulich wird das von Autofahrern auf der Salzmannstraße und auf dem Lemsdorfer Weg registriert.

Beide Straßen gehörten im vorigen Winter zu den schlimmsten Schlaglochpisten, Letzterer wurde sogar mit Tempo 10 belegt. In der Salzmannstraße wurde aus Geldmangel lediglich die Schnellreparatur-Methode angewendet. Die Straße hielt bis zum Wintereinbruch – jetzt ist sie wieder extreme Holperpiste.

Nur wenige hundert Meter weiter das Gegenbeispiel Lemsdorfer Weg, der grundhaft ausgebaut wurde. Er gehört weiter zu den derzeit besten Straßen Magdeburgs.

Das hatte allerdings seinen Preis: weit über 200 000 Euro.

Eine solche grundlegende Kur, so befürchten Experten, haben am Ende dieses Winters sehr viele Straßen nötig. Es würde sich aber mit Dauerhaftigkeit auszahlen und so letztlich doch Geld sparen.

Die schlimmsten Schlagloch-Pisten

Laut Tiefbauamt gehören zu den schlimmsten Schlaglochpisten in Magdeburg der Fuchsberg, die Dodendorfer Straße, Teile des Magdeburger Rings und der B1, Salbker Straße, Schanzenweg, Halberstädter Chaussee und Halberstädter Straße, Alt-Fermersleben und die Olvenstedter Straße.

 

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