Neues Jahr, altes Leid: Zumindest im ersten Spiel nach der Winterpause konnte Fußball-Regionalligist 1. FC Magdeburg seine Offensivschwäche nicht ablegen und unterlag am Sonnabend bei der U 23 des Hamburger SV in Norderstedt folgerichtig mit 0:2 (0:0).

Norderstedt. Die rund 200 mitgereisten FCM-Fans hatten nur vor Spielbeginn etwas zu lachen, als sie nämlich ins aktuelle HSV-Programmheft (HSV live) blickten. Bei der FCM-Aufstellung tauchten sage und schreibe 14 Spieler und ein Trainer auf, die den Club längst verlassen haben: Ronneburg, Bankert, Gaebler, Prest, Prost, Fuchs, Gewelke, Matthias, Racanel, Tüting, Watzka, Zander, Siga,Vujanovic sowie als Coach Baumgart ... Einer von ihnen, Lars Fuchs, mittlerweile in Diensten von Hannover 96, saß in Norderstedt immerhin auf der Tribüne und meinte später: "Der Sieg des HSV ging in Ordnung, der FCM hatte nur eine echte Torchance."

Bei strömendem Regen und einem tiefen Rasen, der zunehmend einem Acker glich, legte der HSV-Nachwuchs furios los und hatte Pech, als Ofosu mit einem Volleyschuss nur die Latte traf. Bei einer weiteren brenzligen Situation nach einem Torun-Solo rettete Stiefel kurz vor der Linie (14.).

Nach einer Viertelstunde hatte sich jedoch der FCM aus der Umklammerung gelöst und hielt dagegen. Ihre beste Gelegenheit besaßen die Gäste nach knapp einer halben Stunde, als nach einer Becker-Ecke Wolf hochstieg, sein Kopfball aber eine sichere Beute von Keeper Mickel wurde. Ansonsten tat sich im Angriff kaum etwas. Wolf, als einzige Spitze aufgeboten, blieb weitgehend ohne Wirkung, über die Außen kam mit Wijks und Georgi, der sich häufig festlief, ebenfalls zu wenig.

Ob es mit dem erst ab 1. März spielberechtigten Neuzugang Shergo Biran im Sturm besser gelaufen wäre? In Norderstedt machte das Gerücht die Runde, dass der Spieler stocksauer über die Zwangspause sei und sich bereits nach einem anderen Verein umsehe ...

Nach gut einer Stunde vollbrachte Tischer seine bis dahin größte Tat, als er einen fulminanten 30 m-Knaller von Besic über die Latte lenkte. Auf der Gegenseite strich während einer starken Phase des FCM ein Geschoss von Neuzugang Rodrigues, der ein ordentliches Debüt gab, aus 18 Metern knapp über den Kasten (40.).

Nach dem Wechsel hatten die FCM-Fans den Torschrei schon auf den Lippen, als ein Halke-Kopfball nur um Zentimeter das Ziel verfehlte (51.). Wenig später allerdings lange Gesichter beim Club. Nach sehenswerter Vorarbeit von Choupo-Moting, bei der er auf der linken Seite auch Bauer stehenließ (der Wechsel des Profis zum 1. FC Köln war wegen der Unleserlichkeit eines Faxgerätes im letzten Moment geplatzt), hämmerte Ofosu die Kugel unter die Latte (55.).

Kapitän Bauer, der auf seiner neuen Position in der Innenverteidigung eine prima Figur machte, regte sich hinterher fürchterlich auf: "Dass die zweiten Mannschaften immer wieder ihre Profis einsetzen, ist nicht neu, aber ich bin maßlos frustriert, denn es war eine unnötige Niederlage. Ein Choupo-Moting ist uns gerade in der Schnelligkeit deutlich überlegen. Bei seinem Solo bin auch ich an meine Grenzen gestoßen."

Im weiteren Verlauf zeigte der FCM durchaus gute Ansätze, blieb aber vorne einfach zu harmlos. Daran änderte sich auch nichts, als die Platzherren nach einer Tätlichkeit von Torun an Rodrigues in Unterzahl weiterspielen mussten (72.).

In der Nachspielzeit führte ein Abwehrfehler sogar noch zum zweiten Gegentreffer. Die Abseitsfalle des FCM hatte nicht funktioniert, Tischer war auf der Linie geblieben, so dass der eingewechselte Kelbel mit einem Heber den 2:0-Endstand markierte.

Trainer Kaiser: "Wir hatten die erste Viertelstunde Riesenprobleme, das Spiel dann aber in den Griff bekommen. Leider war es so, dass oft der letzte Pass gefehlt hat. Und auch, als wir in Überzahl gespielt haben, war das kein Vorteil, weil sich der Gegner weit zurückgezogen und clever gekontert hat."

HSV II: Mickel – Maier, Besic, Labus, Brügmann, Ofosu, Groß (81. Nagy), Kazior, Lam (78. Kelbel), Torun, Choupo-Moting (89. Kocabas)

FCM: Tischer – Müller, Halke, Bauer, Neumann, Wijks (79. Köhne), Becker (68. Ujazdowski), Rodrigues, Stiefel, Georgi, Wolf (79. Verkic)

Schiedsrichter: Schmickartz (Berlin). Zuschauer: 435. Tore: 1:0 Ofosu (55.), 2:0 Kelbel (90.+2). Gelb: Brügmann, Besic, Chopo-Moting / Rodrigues. Rot: Torun (Tätlichkeit/72.)