Erneut Wirbel um die Blauflügelige Ödlandschrecke auf dem Elbbahnhofsgelände: Auf dem ihretwegen eigens lediglich geschotterten Großparkplatz unter der alten Brücke ist sie zwar verschwunden. Jetzt aber soll sie auf einer potenziellen Baufläche im südlichen Zipfel des IBA-Areals aufgetaucht sein.

Altstadt. Eine Nachkontrolle der Unteren Naturschutzbehörde über das Insekten-Aufkommen unter den Elbbahnhofsbrücken stellte schon im Vorjahr klipp und klar fest: Die im Jahr 2003 entdeckte Blaugeflügelte Ödlandschrecke gibt es auf dem dortigen Schotter-Großparkplatz nicht mehr. Sie sei verschwunden, bestätigt Rathaus-Pressesprecher Michael Reif auf Volksstimme-Nachfrage.

Mit Blick auf den nicht abreißenden Ärger um den Parkplatz (ca. 350 Stellplätze) unter der Elbbahnhofsbrücke kündigt er an: "Die Stadt prüft derzeit die weitere Vorgehensweise, auch bezüglich einer möglichen Befestigung der Parkplatzfläche." Oberbürgermeister Lutz Trümper selbst habe das Baudezernat zur Prüfung aufgefordert, sagt Michael Reif.

Im Klartext heißt das Schwarzdeckeneinbau oder pflastern. Reagiert wird damit auf die nicht enden wollenden Kritiken über den Zustand des Platzes. Nach jedem Regentropfen, so erregen sich verhinderte Nutzer, sei der Platz über lange Zeit praktisch unbefahrbar.

Mit dem möglichen Schwarzdeckeneinbau greift die Stadt ihre ursprünglichen gescheiterten Absichten auf. Die Fläche nämlich sollte mit Eröffnung der neuen Sternbrücke (2005) befestigter Abstellplatz für rund 400 Autos werden. Ziel: Besucher von Veranstaltungen könnten dort das Fahrzeug abstellen, zu Fuß über die Sternbrücke und zur Stadthalle gelangen.

Der Park würde vom Autoverkehr entlastet werden. Seinerzeit war der Plan vom Umweltamt genau wegen der blauflügeligen Ödlandschrecke in mehrfacher Hinsicht durchkreuzt worden.

Nach gut einem Jahr interner Verständigung in den Ämtern wurde Einigung erzielt: Statt der Schwarz- sollte eine Schotterdecke eingezogen werden, um die Ei-Ablage der Schrecke zu gewährleisten.

Das amtliche Procedere schließlich verzögerte den Bau. Ein Provisorium wurde errichtet, erst 2006 der in Schotterbauweise errichtete Parkplatz eröffnet. Schon kurze Zeit später setzten die Entwässerungsprobleme ein, weil es keine Kanalisation gibt. Die Konsequenzen bis heute: Viele Autofahrer nutzen die Alternative nicht, fahren weiter direkt in den Park. Einen zeitlichen Horizont für die Befestigung gibt es noch nicht, vielleicht werde ab 2012 zunächst die Kanalisation gebaut, meinen gut informierte Kreise. Erst Jahre danach könnte der Schwarzdeckeneinbau erfolgen.

Der Schrecken ohne Ende währt allerdings nicht nur auf dem Parkplatzgelände. Die von dort abgewanderte Ödlandschrecke nämlich soll sich in den hinteren südlichen Zipfel des Elbbahnhofsgeländes verzogen haben. Kürzlich lag das damit verbundene Problem auf dem Tisch einer Wohnungsbaugenossenschaft, die dort bauen will.

Dazu Rolf Onnen von der Elbchaussee GmbH, die das Areal vermarktet: Es habe dazu eine große Runde auch mit dem zuständigen Amt vor Ort gegeben. Die Experten hätten sich, so Onnen, geeinigt: Die Schrecke benötige ausreichend Schotterfläche als Lebensraum, der sei hier auch nicht gegeben. Es gebe keine Beschränkungen für die Bauprojekte.

Glückliches oder schreckliches Ende? Laut Michael Reif müsse jedenfalls die Genossenschaft eine Ausgleichsfläche für das Ansiedeln der Ödlandschrecke außerhalb des Elbbahnhofs schaffen.

Außerdem seien auf dem Parkplatz Nachkontrollen angesagt. Geklärt werden solle, ob die Ödlandschrecke nur zeitweilig abgetaucht gewesen war, dämpfte er Erwartungen.

   

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