Die im Oktober 2010 gestartete denkmalgerechte Sanierung des traditionsreichen Haus des Handwerks in der Gareisstraße geht voran. Noch im Februar wollen die Handwerker der Jugendstilvilla aufs Dach steigen. Wie geplant soll das 9-Millionen-Euro-Projekt 2012 eröffnet werden.

Altstadt. Der von 1901 bis 1903 als Rudolfsche Villa entstandene Prachtbau in der Gareisstraße ist eingerüstet, der Baufortschritt beachtlich. "Nach einigen Verzögerungen während des schneereichen Dezembers befinden sich die Baumaßnahmen wieder im Plan", sagte Andreas Richter, Pressesprecher der Handwerkskammer, auf Volksstimme-Nachfrage. Er kündigte außerdem an: Wenn die Witterung es zulasse, soll noch im Februar damit begonnen werden, das Dach aufzunehmen und zu sanieren. Die Arbeiten auch im Innenbereich sind parallel dazu im Gange.

Nach heutigem Stand soll es bei der geplanten Wiedereröffnung im Jahr 2012 bleiben.

Laut Andreas Richter sind beim Abtragen eines nachträglichen Anbaus an der Nordfassade originale Stuckelemente freigelegt worden. Sie werden restauriert und in die denkmalgerechte Fassadensanierung integriert, sagte er.

Inzwischen sind auch weitere Details über die Außenanlagen des Grundstückes bekannt geworden. Auch diese werden nach dem historischen Vorbild wieder hergestellt. Das gilt sowohl für die schmeideeiserne Einfriedung als auch den Gartenpavillon. Er wird neu aufgebaut.

Sprecher: "Besonders umweltbewusst"

Grundsätzlich bleiben die großen Bäume erhalten und werden in die Gestaltung einbezogen. Dazu Andreas Richter: Für die im Innenhof gefällten Gehölze (Volksstimme berichtete) hätten selbstverständlich alle Genehmigungen vorgelegen. Zum weitaus größten Teil habe es sich um sogenannten Wildwuchs gehandelt. Ein alter Baum sei so geschädigt gewesen, dass er nicht zu halten war.

"Die Kammer als Bauherr verhält sich in diesem Zusammenhang ganz besonders umweltbewusst", versicherte der Pressesprecher. Dennoch hatte es nach den Aktivitäten – 10 Bäume wurden gefällt – Fragen von wachsamen Beobachtern unter den Anwohnern gegeben.

Seit über ein Jahrzehnt steht die ehemalige Fabrikantenvilla, späteres Handwerkerdomizil sowie traditionsreiche Gaststätte im Brennpunkt.

Nach dem Scheitern einer Privatinvestition und langem Bangen um das prachtvolle Gebäude hatte die Handwerkskammer schließlich das Gebäude wieder übernommen. Im Oktober 2010 vollzogen Kammer-Präsident Werner Vesterling und Hauptgeschäftsführerin Marianne Lehn offiziell den Baustart.

Inzwischen ist auch die seinerzeit noch vakante Förderung klar. Von den von der Kammer für 2010 beantragten 450 000 Euro aus "Stadtumbau Ost" für den Teilausgleich des denkmalpflegerischen Mehraufwandes sind 300 000 Euro bewilligt. Beantragt aus diesem Fördertopf ist für 2011 die gleiche Summe.

Die Kammer ist offenbar zuversichtlich: Sie sehe sich so bei der Förderung ihres Bauvorhabens auf gutem Weg, ließ der Pressesprecher wissen.

Aus der Wiederbelebung des Handwerkerhauses ziehen Stadt und die Kammer Nutzen. Letztere wird ihr beengtes Domizil aus der Humboldtstraße aufgeben und in die Gareisstraße ziehen, ein ansehnliches Gebäude nutzen und so erhalten. Es wird zugleich den nördlichen City-Eingang aufwerten. Die Gaststätte wird öffentlich, kündigte die Handwerkskammer an.

   

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