Die für die hiesige Afrikaanlage II geplante Aufstockung der Elefantenherde auf vier bis fünf Dickhäuter könnte sich direkt aus der Savanne rekrutieren. Zoo-Chef Dr. Kai Perret hat der Magdeburger Südafrika-Delegation die dringliche Bitte mit auf den Weg gegeben, Kontakte für einen Tier-Transfer zu knüpfen.

Magdeburg/Bloemfontein. Kai Perrets Wunsch ist in Südafrika angekommen – einschließlich seiner mit bester Empfehlung an Bloemfonteins Oberbürgermeister France K. Morule überreichten Visitenkarte. Der Magdeburger Zoo-Chef hatte Stadtrat Oliver Müller gebeten, irgendwann die Gunst der Stunde zu nutzen und wegen mehrerer Elefanten gewissermaßen "auf den Busch zu klopfen".

Laut Müller, Mitglied der Gesellschafterversammlung des Zoos, soll Mister Morule gleichfalls seine Karte gezückt und gesagt haben: "Das lässt sich selbstverständlich machen. "

Jetzt will Kai Perret zunächst im Schriftverkehr die Möglichkeit abchecken, auf direktem Wege Elefanten aus Afrika zu beschaffen. Hintergrund dafür ist die Tatsache, dass der Zoo-Direktor in etwa drei Jahren die Herde für Africambo II aufstocken will und muss. "Zwei, am besten sogar drei Elefantenkühe würde ich von dort für den Zoo anschaffen wollen, außerdem einen Bullen", sagte Kai Perret auf Volksstimme-Nachfrage.

Perrets ehrgeizige Bestrebungen sind den EU-Richtlinien zur Elefantenhaltung und zur Erhaltungszucht aus dem Jahr 2000 geschuldet. Sie schreiben vor, dass die in Zoos gehaltenen Herden mindestens aus vier Kühen bestehen müssten. Außerdem ist es Pflicht, für einen Bullen wenigstens Quartier vorzuhalten.

Den sich mit der Kommunaldelegation eröffneten Direktweg hat der Magdeburger Zootierexperte eingeschlagen, weil der Elefantennachwuchs in europäischen Zoos zurückgegangen ist. Zeitgleich sind in Europa eine ganze Reihe Neuanlagen entstanden. "Die Warteliste für Elefanten ist sehr lang", sagte Perret.

Eine Option für die Beschaffung der Tiere ist der von ihm angestrebte Südafrika-Kontakt in Zusammenhang mit der städtischen Delegationsreise. Das Vorgehen ist mit dem zuständigen europäischen Fachgremium abgestimmt. Der letzte direkte Elefantentransfer sei übrigens im Zoo von Valencia über die Bühne gegangen, wusste Perret. Das war im Jahr 2004, und das Tier stammte aus Namibia.

Kai Perret hat für Africambo II mehrere Eisen im Feuer: Magdeburg stünde auf der Warteliste für europäische Zoos, sagte er. Außerdem hat der Zoologische Garten Verbindung zum Auswärtigen Amt in Sachen Elefanten aufgenommen. Namibia und Botswana gelten als potenzielle Länder, aus denen Elefanten nach Europa geholt werden könnten. Perret will den Bogen zu den sogenannten Culling-Programmen schlagen. Diese regeln den behördlich genehmigten Abschuss bei Elefanten-Überpopulation. Gebietsweise richten in Afrika solche Herden riesige Schäden an. Statt die Tiere zu töten, melden Zoos Bedarf an.

Vor allem Jungtiere seien für Zoos geeignet, erklärte der Direktor. Sie würden sich gut für den schnellen Transport im Flugzeug eignen. Größere Tiere müssen in Schiffen nach Europa gebracht werden. Lediglich die Transportkosten fallen an.

Derzeit leben im Magdeburger Zoo nur zwei der beliebten Rüsselträger. Noch ca. drei Jahre hat Perret Zeit, den EU-genormten Nachschub für Africambo II zu beschaffen. Der Zeitplan hat sich verschoben, statt 2013 wird die Anlage erst 2014, spätestens 2015 fertig.

Die Südafrika-Kontakte seien ein Lichtblick in dieser Angelegenheit für den Zoo, wertete Dr. Perret.

   

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