Bernd Tiedge ist zurzeit beim krisengeschüttelten FCM der "Fels in der Brandung". Nach den Rücktritten von Aufsichtsrats-Chef Rüdiger Koch, Präsident Volker Rehboldt und der Entlassung von Manager Rüdiger Bartsch geht in der FCM-Geschäftsstelle nichts ohne den 61-Jährigen, der die Fragen von Volksstimme-Redakteur Klaus Renner beantwortet.

Volksstimme: Die Volksstimme schrieb kürzlich: Es wird einsam auf der Kommandobrücke. Fühlen Sie sich beim FCM einsam?

Bernd Tiedge: Nein. Ich habe ähnliche Situationen schon des Öfteren erlebt. Man darf halt kein Sensibelchen sein, man wird abgehärtet. Die Arbeit macht Freude, auch wenn es sportlich alles andere als zufriedenstellend läuft.

Volksstimme: Trotzdem, wie wirkt es sich aus, dass der Verein derzeit ohne seine wichtigsten Entscheidungsträger dasteht?

Tiedge: Die letzten Wochen sind nicht der Maßstab. Wir müssen drei bis vier Jahre vorher ansetzen. Damals waren wir in der Erfolgsspur, haben dann aber den Aufstieg nicht geschafft. Für mich nachvollziehbar und logisch, dass es jetzt zum Crash kommen musste.

Volksstimme: Andere sind daran auch nicht zugrunde gegangen …

Tiedge: Wären wir 2007 in die 2. Bundesliga aufgestiegen, hätte sich niemand das Maul darüber zerrissen, ob wir einen Vorsitzenden des Aufsichtsrates oder einen Präsidenten haben. Jetzt, wo die sportliche Leistung nicht stimmt, wird bei uns alles infrage gestellt mit der Folge, dass unser Verein gegenwärtig kein gutes Bild nach außen abgibt.

Volksstimme: Das betrifft natürlich auch das FCM-Aushängeschild, die Regionalliga-Mannschaft. Was läuft da nicht optimal?

Tiedge: Der Prozess der Verjüngung der Mannschaft nach der vergangenen Saison hat nicht funktioniert, ist meiner Meinung nach übertrieben worden. Die Regionalliga-Elf ist zu grün und noch nicht voll ausgebildet.

Volksstimme: Hat also Trainer Ruud Kaiser mit seinem 22-Spieler-Casting vor Saisonbeginn Fehler gemacht?

Tiedge: Das abschließend einzuschätzen, fehlt mir die sportliche Kompetenz. Wer meint, er wäre nicht der richtige Mann, macht es sich dennoch zu einfach. Kaiser jetzt infrage zu stellen, halte ich für unproduktiv. Er ist fleißig und diszipliniert und hat das richtige Feeling in der Arbeit mit der Mannschaft.

Volksstimme: Vor der Saison war ein Zwei-Jahres-Plan ausgegeben worden: Diese Saison vorn mitspielen, nächstes Jahr Aufstieg anpeilen. Ist das noch realisierbar?

Tiedge: Das war ein richtiger Ansatz, denn Mittelmaß ist in Magdeburg nicht vermittelbar. Der Plan kann noch klappen. Dazu dürfen wir erstens nicht absteigen und müssen uns zweitens deutlich verstärken und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit erhöhen. Denn Fakt ist eins: Mit unserer derzeitigen Mannschaft können wir auch nächste Saison nicht vorn mitspielen.

Volksstimme: Apropos Verstärkungen. Woran liegt es denn nun, dass Biran erst ab 1. März spielberechtigt ist?

Tiedge: An mir lag es nicht. Ich bin im Spielrecht sattelfest wie kein anderer im Verein. Der FCM kann froh sein, dass Biran überhaupt noch in dieser Saison spielen kann. Wenn ich mich darauf verlassen hätte, dass er als Vertragsspieler ab 1. Februar einsetzbar wäre, hätten wir das für die gesamte Saison nicht mehr hinbekommen. Als ich aber bemerkt hatte, dass das so nicht läuft, habe ich schnell reagiert und für ihn das Spielrecht als Amateur erhalten. So können wir ihn wenigstens in 13 Punktspielen und im Pokal einsetzen.

Volksstimme: Eine letzte Frage. Was wird aus dem vielgepriesenen Kompetenzteam mit ehemaligen FCM-Größen wie Seguin, Zapf und Streich?

Tiedge: Es gab bereits zwei Treffen. Dieses Thema ist aber vorerst vertagt – solange, bis hoffentlich in Kürze unser Aufsichtsrat wieder einen Chef hat, ein neues Vereins-Präsidium arbeitet und der hauptamtlich tätige Sportliche Leiter gefunden ist.