Erstmals seit ihrer Schließung vor 14 Jahren gibt es für die Hyparschale reale Hoffnung auf eine Zukunft. Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) kündigte auf Volksstimme-Nachfrage an, den eigenwilligen Stahlbetonbau als Arena für Rollschuh- und Eislauffreunde umgestalten zu wollen. Bedingung: keine Betriebskosten für die Stadt.

Werder. Sie ist ein Relikt sozialistischer Baukunst, eines der Wahrzeichen der Stadt und zugleich ein Paradebeispiel ergebnisloser Suche für ein markantes Objekt in städtischer Hand: die Hyparschale. Seit Jahren versucht die Stadtverwaltung, den 1969 nach den Plänen des Architekten Ulrich Müther (1934-2007) gebauten Beton-Stahl-Glas-Palast einer sinnvollen und bezahlbaren Nutzung zuzuführen.

Doch diese Pläne scheiterten. Trotz einer Ausschreibung für die Kaufsumme von einem Euro fanden sich weder Käufer noch Investoren mit schlüssigen Konzepten.

Die Folge: Der Bau steht seit Jahren ungenutzt mitten in Magdeburgs grüner Lunge und droht, endgültig zu verfallen. Zuletzt hatte ein Investor aus Westdeutschland Interesse an dem Areal inklusive der benachbarten Hallen bekundet. Er wollte dort ein holzgespeistes Heizkraftwerk bauen. "Ein Konzept wurde uns allerdings bis heute nicht vorgelegt", so OB Lutz Trümper.

Deshalb schwenkt Trümper – bisher entschiedener Gegner eines Hyparschale-Betriebs unter kommunaler Verantwortung – jetzt um, obwohl er immer argumentiert hatte: "Die Sanierungskosten für das Hallendach belaufen sich auf mindestens zwei Millionen Euro, dazu noch Betriebskosten. Zu teuer für eine Veranstaltungshalle, die wir unter der Regie der Stadt nicht brauchen."

Angesichts der Erfolglosigkeit der Fremdvermarktung hat sich seine Haltung geändert. Trümper zur Volksstimme: "Ich könnte mir eine Sanierung und Nutzung der Halle vorstellen unter der Bedingung, dass anschließend so gut wie keine Betriebskosten entstehen." Aber wie soll das gehen? Trümper liefert einen kühnen Vorschlag mit: Das Dach wird repariert, die Seitenwände der Halle teilweise geöffnet und der Hallenboden mit Beton geglättet. Dann könnte die Halle im Sommer als Rollschuh- und im Winter als Eislaufbahn genutzt werden. "Betriebskosten entstehen dann so gut wie nicht", ist sich OB Lutz Trümper sicher.

Symposium sucht auch nach Alternativen

Erste Unterstützung erhält er in der eigenen Ratsfraktion SPD-Tierschutz-future!, die sich jetzt in einer Art politischem Wettlauf um die Erhaltung der Halle verdient machen will. Anlass: Mit Unterstützung der Linken-nahen Rosa-Luxemburg-Stiftung hatte die Hermann-Henselmann-Stiftung bereits im Januar für die kommende Woche ein Hyparschale-Symposium mit Fachleuten in der Stadthalle anberaumt, auf der nach Alternativen für die Halle gesucht werden soll.

Die SPD-Fraktion kommt dieser Tagung nun zuvor und kündigt für die nächste Stadtratssitzung am 3. März an, einen Grundsatzantrag auf den Erhalt und die Sanierung der Hyparschale stellen zu wollen. "Damit die Hyparschale als denkmalgeschütztes, einzigartiges Bauwerk nicht endgültig dem Verfall preisgegeben wird, wäre es wünschenswert, wenn sich eine Mehrheit des Stadtrates zum Erhalt der Hyparschale bekennt", begründet SPD-Fraktionschef Hans-Dieter Bromberg in dem Antrag. Die Fraktion wolle die Verwaltung mit dem Antrag auffordern, ein Konzept zu entwickeln, das sowohl eine kulturelle als auch eine sportliche Nutzung des Gebäudes ermögliche.

Neue Runde um Zukunft steht an

Allerdings irrt die Fraktion bei ihrem Finanzierungsvorschlag, die Sanierung der Hyparschale aus den Mitteln für den Abriss der Halle zu finanzieren. Vielleicht lag‘s ja an der Eile, mit der der Antrag am Montag auf der SPD-Fraktionssitzung gestrickt wurde, um den Linken noch zuvorzukommen – Spekulation. Fakt ist: Für den Abriss der Hyparschale waren nie Mittel eingestellt worden, bestätigt auch OB Lutz Trümper. Es sei lediglich ein Etat für den Abriss der angeschlossenen alten Messehallen vorgesehen.

Folglich ruderte die SPD-Fraktion gestern zurück und korrigierte ihre Pressemitteilung vom Dienstag nachträglich in der betreffenden Passage. Das Geld muss nun also anders aufgetrieben werden.

Die Sanierung der Hyparschale könne, so der OB, ab 2013 in Schritten erfolgen und solle, so die Hoffnung, zu gro-ßen Teilen aus Fördermitteln für den Denkmalschutz finanziert werden.

Voraussetzung ist jedoch zunächst, dass sich der Stadtrat zu dieser Variante grundsätzlich bekennt. Tut er dies, dürften ohnehin noch genug Debatten mit dem Denkmalschutz und den Inhabern der Urheberrechte für die Architektur der Hyparschale anstehen.

Dennoch: Der Vorschlag des Mittelweges – Sanierung ohne anschließende Betriebskosten – wäre nach Jahren der vergeblichen Suche nach tragfähigen Konzepten erstmals eine echte Perspektive für den Palast, dessen Verfall viele Magdeburger bedauern.

Vor dem Umbau steht jetzt aber erst einmal die Debatte an.

   

Bilder