Der erste den Niederflurbahnen angepasste Tatra-Beiwagen ist fertig. Komplett umgebaut steht er noch im Straßenbahn-Betriebshof Nord. Anfang März wollen die MVB ihre neueste Errungenschaft den Magdeburgern vorstellen. Der Anhänger ist einer von insgesamt 11, die künftig auf dem Magdeburger Gleisnetz eingesetzt werden.

Magdeburg. Im April 2009 war er in Magdeburg als postgelbes und mit dem Berliner Bären sowie Kratzspuren an den Scheiben "verziertes" Gefährt aus der Bundeshauptstadt eingetroffen. Jetzt unterscheidet sich der von den Berliner Verkehrsbetrieben gekaufte und nun umgebaute Tatra-Hänger zumindest farblich nicht mehr von den Niederflurbahnen im MVB-Bestand. Innen sind sie mit Polstersitzen, mit automatischen Türen und Entwertern sowie mit Bordelektronik ausgestattet. Erstmals in Magdeburger Straßenbahnen überhaupt wurden an den Ausstiegen Wechselsprechanlagen installiert. Das soll das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste erhöhen. Sie können so jederzeit mit dem Fahrer Kontakt aufnehmen, wenn es die Situation erfordern sollte.

Gestern gewährten die MVB der Volksstimme einen ersten Einblick in die Beiwagenwerkstatt auf dem Betriebshof Nord. "Am 2. März, 10 Uhr, stellen wir den Magdeburgern den Beiwagen vor", sagte MVB-Pressesprecherin Birgit Münster-Rendel. Etwas über ein Jahr hat es gebraucht, bis die MVB-Monteure den gebrauchten Beiwagen den komfortablen Niederflurbahnen aus Salzgitter angepasst, ihn sozusagen als Prototyp hergerichtet haben. Die ersten Tests vor der Genehmigungsbehörde sind bestanden. Jetzt warten die MVB noch auf den schriftlichen Bescheid für den Linieneinsatz ab dem 2. März.

Mit den insgesamt elf von den Berliner Verkehrsbetrieben gekauften und umzurüstenden Tatra-Beiwagen vom Typ B6A2 wollen die MVB ihren Fahrzeugpark weiter aufwerten. Die modernen Niederflurbahnen verfügen zwar über höchsten Komfort. Aber die alten Tatra-Züge boten über 100 Plätze mehr.

Die modernisierten Beiwagen sollen es nunmehr gestatten, u. a. auf der stark ausgelasteten Linie 9 sowie zu Großveranstaltungen effektiv Niederflurtechnik einzusetzen. Mit Hänger ist die Niederflur-Großtraktion dann 44 Meter lang. Dieses Maß hat auch der nächstgrößere werksmäßig hergestellte Niederflurtriebwagen. Diese mit der nächsten Lieferserie (11Fahrzeuge ab 2012) anzuschaffen, hätte 10 Millionen Euro mehr gekostet. Deshalb die Entscheidung für die Hängervariante, begründeten die MVB. Allerdings bieten die Hänger keine Niederflurtechnik beim Einstieg. Behinderte, Ältere und Mütter mit Kinderwagen sollen in den Triebwagen (151 Steh-, 73 Sitzplätze) einsteigen.

Zur öffentlichen Präsentation am 2. März im der Hauptwerkstatt Herrenkrugstraße sind die Elbestädter herzlich eingeladen, sagte Birgit Münster-Rendel. Verbunden sei das mit kostenfreien Probefahrten, hieß es.

   

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