Das Bürgerhaus Kannenstieg hat sich neu aufgestellt, um besser auf die Nachfrage von jungen Familien und alleinerziehenden Eltern mit ihren Problemen eingehen zu können. Die Betreiber wollen auch noch mehr für Kinder und Jugendliche bieten als bisher. Ergebnis der Umstrukturierung ist ein Kinder-, Jugend- und Familientreff, der gestern offiziell eingeweiht wurde.

Kannenstieg. Erstmals in Magdeburg starteten gestern der Paritätische Wohlfahrtsverband als Betreiber des Bürgerhauses und der Jugendverband Junge Humanisten (JuHus) eine trägerübergreifende Zusammenarbeit zum Betrieb einer Freizeit- und Begegnungsstätte.

Rückblick: Die JuHus unterhielten schon seit 1993 als Untermieter im Bürgerhaus einen Jugendklub. Parallel betrieb der Paritätische für Kinder einen eigenen Freizeittreff in gesonderten Räumen. Nicht nur, um teilweise Parallelangebote zu bündeln, reagierten beide Träger nun.

"Wir waren in der Pflicht, etwas Neues zu machen", sagte gestern Dr. Sabine Dutschko, Regionalleiterin des Paritätischen. Und das auch aus diesem Grund: "Es gibt den Bedarf, sich stärker um junge Familien und alleinerziehende Eltern zu kümmern", so Dutschko. Für JuHu-Vorstand Hans-Jörg Beyerling ging es nach eigener Aussage ebenfalls darum, das Spektrum entsprechend zu erweitern.

Den Bedarf unterstreicht auch der gerade vorgelegte neue Stadtteilreport des Sozialdezernats. Im Kannenstieg sind demnach besonders Jugendliche unter 25 Jahren von Arbeitslosigkeit betroffen. Auffällig im Kannenstieg sei die "hohe Anzahl von Hilfen zur Erziehung", für die das Jugendamt die Fäden in der Hand hält.

Der Kinder-, Jugend- und Familientreff soll laut Sabine Dutschko deshalb die Erfahrungen und Kompetenzen beider Träger im Kannenstieg zusammentragen und neben der Funktion als Begegnungsstätte "unkonventionelle Wege zu Bildung eröffnen und es Familien ermöglichen, sich soziale Kompetenzen anzueignen".

Hans-Jörg Beyerling sagte, die neue Konstellation trage zu der "bemerkenswerten Tatsache" bei, "dass hier künftig wochentäglich mindestens zehn Stunden lang Angebote gemacht werden und vermehrt auch am Wochenende". Das reicht von der sogenannten "Offenen Tür" über Sport, Kochklub, Mathenachhilfe und Vorträgen bis hin zu Familienbildungskursen mit Fachleuten. Auch ein Familien-Quassel-Café steht einmal monatlich von 14 bis 17 Uhr auf dem Programm (erster Termin ist der 12. März). "Das Einbringen eigener Ideen ist dabei ausdrücklich erwünscht", sagte Sabine Dutschko.

Der Kinder-, Jugend- und Familientreff, Johannes-R.-Becher-Straße 57, steht ab sofort an jedem Wochentag ab 10 Uhr für Besucher offen.