Das ganze Leben ist – nein, kein Quiz, sondern ein Warten. Auf irgendetwas wartet man immer, sagen die Wollners und präsentieren das jetzt auch künstlerisch: T&T "warten auf …" heißt es ab Donnerstag in der Feuerwache.

Magdeburg. Wer bei dem Titel an das berühmte "Warten auf Godot" denkt, liegt gar nicht so verkehrt. "Das wollte ich schon immer mal spielen", verrät Tabea Wollner, "doch als Frau ...?" In der Geschichte von Samuel Beckett geht es um zwei Männer, die warten. Das ist aber mehr oder weniger auch schon die ganze Ähnlichkeit zum Wollner-Stück. Eigentlich haben die singenden Geschwister lediglich die Idee genommen und ihre eigene Geschichte daraus gesponnen. Dass sie dabei in verschiedene Rollen schlüpfen, versteht sich von selbst. Ebenso dass dies mit viel Musik zu tun hat.

Das Leben ist ein einziges Warten, sagen die Wollners. "Auf irgendetwas warten wir doch immer." Abwechselnd nennen sie: Warten auf das Erwachsenwerden, warten auf Sonnenschein, Regen, auf einen Brief, den Feierabend, die Liebe … Oftmals hafte dem Warten etwas Negatives an. Das muss jedoch nicht sein, betont Tabea, Die Frage ist, wie man die Zeit des Wartens füllt, ergänzt Tobias. "Warten kann durchaus eine kreative Zeit sein." Und eine voller positiver Spannung. Das erlebte die Künstlerin, als sie die Wartezeit auf das Wiedersehen mit ihrem Liebsten überbrücken wollte. Sie wurde – natürlich – kreativ. Zwischen Telefonaten schuf sie Bilder, die sie in einer Exposition zusammenstellt unter dem Titel "Ich rede mit dir und warte auf dich" ausstellt. Es folgte die Idee für das neue Programm.

Wobei es die eigentlich schon länger gab, erzählen sie. Doch die Idee musste warten, da andere Projekte dazwischenkamen. Bis im vorigen Jahr das Warten konkrete Formen annahm.

Zunächst haben Tabea und Tobias Wollner in die große Kiste ihrer Lieblingsmusik gegriffen und jeden Titel einmal ganz genau unter die Lupe genommen. Dann haben sie geschaut: Was passt zum Thema, was zueinander? Geeinigt haben sie sich letztlich auf 20 Lieder, darunter von Billy Joel, ABBA, Supertramp, Police und der Gruppe Chicago. Getrennt voneinander arbeiteten beide Künstler daran. Tabea hat sich die Texte vorgenommen (bis auf eine Ausnahme sind erstmals alle von ihr), Tobias die Musik.

"Normalerweise blende ich beim Musikhören den Text aus", sagt Tabea Wollner, "so ein Lied klingt ja als Gesamtes. Beim Übersetzen der englischen Texte ins Deutsche habe sie sich jedoch so manches Mal erschrocken. "Wenn man sich wirklich klar macht, was die da singen – oh je." Insbesondere bei den Songs aus den 70er Jahren sei das so gewesen. Aber das sei eben Zeitgeschmack, wirft Tobias ein. Ob die Beatles heute noch mit "Yeah Yeah Yeah" Erfolg hätten?

Von manchen Liedern wurden deshalb nur die Ideen übernommen und völlig neue Texte geschrieben. Andere waren Inspiration. Wieder andere wurden in ihrer Geschichte weitergesponnen.

Währenddessen hat Tobias an der musikalischen Umsetzung gearbeitet. Dabei galt es u. a. aus Stücken, die wie bei Chicago mit großer Band gespielt wurden, eine Fassung für Klavier oder Gitarre zu machen. Der Profi ließ sich inspirieren, hat in sich hineingelauscht, "was passiert beim Hören mit mir und der Musik?" Manche Lieder haben sich total verändert. So wurde ein Rocksong lyrisch oder zum Choral.

Die Wollners haben den Liedern ihre eigene Handschrift verliehen, sie zu ihren eigenen werden lassen. "Wir wollen schließlich niemanden nachmachen", betont Tabea. "Es müsste doch niemand zu uns kommen, wenn man auch das Original erleben kann."

Auf jeden Fall können sich die Liebhaber der Wollnerschen Kunst getrost darauf einstellen, dass das Geschwisterpaar die Wartezeit für das neue Programm kreativ genutzt hat.

Das Finale ist eingeläutet. Täglich wird intensiv geprobt. An drei Tagen sogar in der Feuerwache, freuen sie sich: "Das ist supertoll und nicht selbstverständlich." Und es bietet die Möglichkeit, noch ein letztes Mal am Auftritt zu feilen.

Denn gerade so kurz vor der Premiere fragen sie sich schon das eine oder andere Mal, ob beim Publikum ankommt, was sie sich ausgedacht haben, gestehen die Künstler. Je näher der Termin, desto lauter die Fragen. Ein Ritual gegen die Aufregung haben sie nicht. Lediglich eine Stunde absolute Ruhe vor dem Premierenbeginn, die müsse sein.

Am Donnerstag ist es so weit: Um 20 Uhr öffnet sich der Vorhang im Kulturzentrum Feuerwache am Ambrosiusplatz. Dann hat das Warten ein Ende und es fängt das Warten an.

Weitere Aufführungen in Magdeburg stehen bereits fest: 18. März, 14. April, 13. Mai, 10. Juni, jeweils 20 Uhr. Karten-Info unter Tel. 60 28 09.