Ende März geht die neue Kita-Datenbank an den Start, mit der Eltern online freie Krippen-, Kita- oder Hortplätze für ihre Kinder suchen und reservieren können. (Noch) nicht in der Datenbank zu finden sind jedoch die aktuell 58 Tagesmütter und -väter der Stadt. Die Branche ist im Aufwind, immer mehr Eltern nutzen Flexibilität und individuelle Betreuung der Tagespfleger. Was viele nicht wissen: Längst ist deren Angebot dem der Träger finanziell gleichgestellt.

Magdeburg. Thomas Eis ist ein Pionier. Als erster Magdeburger machte der 33-Jährige sich 2009 als "Tagespapa" selbstständig, kümmert sich seitdem um bis zu fünf Steppkes im Krippenalter. Zur Kinderbetreuung kam Eis, selbst dreifacher Papa, über Umwege. Der gelernte Einzelhandelskaufmann wurde arbeitslos, erkannte den Bedarf an Tagespflegern und erwarb in einer Umschulung ein entsprechendes Zertifikat. Aus einer ganz normalen Wohnung in Buckau machte Thomas Eis eine 53 Quadratmeter große "Mini-Krippe" mit Schlaf- und Spielraum, kindergerechtem Bad und Küche – und bekommt seitdem stetig mehr Anfragen von Eltern.

"Sie schätzen, dass die Gruppe mit fünf Kindern sehr klein ist. Das ist besser für die Kinder", erzählt Eis, während er Ronja, mit 15 Monaten die Jüngste, auf dem Schoß hat. Essen, Spielen, Ausflüge mit dem Bollerwagen, Schlafen – alles ist bei ihm leichter umzusetzen, er kann sich mehr Zeit für jedes einzelne Kind nehmen.

Von Stress keine Spur – "Ich denke, ich bin wohl einiges von meinen eigenen Kindern gewohnt", sagt Thomas Eis und lacht, während die zweijährigen Jungs Oskar und Tristan um ihn herum spielen. Die Arbeit macht ihm sichtlich Spaß. "In diesem Alter sieht man die ganzen Erfolge, wie schnell die Kinder lernen. Das gefällt mir", findet Eis. Seinen Entschluss, nicht nur privat, sondern auch beruflich Papa zu sein, hat er bislang keinen Tag bereut.

"Das familiäre Umfeld ist Prinzip bei den Tagesmüttern und -vätern", erklärt Detlev Klaus, Leiter des Jugendamtes. Zwar wird nur ein Bruchteil der Magdeburger Kinder auf diese Weise betreut, doch die Zahl der Angebote steigt stetig an.

Kein Wunder, ist die Tagespflege für viele Eltern mit unregelmäßigen Arbeitszeiten oder besonders pflegebedürftigen Kindern die ideale Betreuungsform. Familie und Beruf sollen so vereinbar sein, kranke, behinderte oder nicht gruppenfähige Kinder besser versorgt werden – wenn nötig, kommen manche sogar wie Babysitter ins Haus. In zunehmendem Maße, so Detlev Klaus, nutze das Jugendamt die Tagespflege auch zur kurzfristigen Überbrückung, wenn in institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen nicht genügend Plätze frei sind. Er versteht das Angebot der Tagesmütter und -väter als sinnvolle Ergänzung, die keinesfalls die Standards in Kitas unterlaufen soll. Viele Eltern wüssten außerdem nicht, dass die Stadt die Tagespflegeplätze genauso bezuschusst wie die Krippen, Kitas und Horte der Träger. Dementsprechend zahlen die Eltern auch ähnlich niedrige Elternbeiträge.

Im Vordergrund steht immer das Kindeswohl, und das Jugendamt arbeitet von der Ausbildung bis zur Vermittlung eng mit den Tagespflegern zusammen, damit es gewährleistet ist (siehe Infokasten). Als "Joker" in der Kinderbetreuung sind Tagespflegeplätze ausschließlich über das Jugendamt zu bekommen – das soll sich auch mit dem Start der Kita-Datenbank Anfang April nicht ändern.

Durch Mund-zu-Mund-Propaganda und das Internet hat auch Thomas Eis mehr Anfragen, als er Plätze anbieten kann. "Deshalb wünsche ich mir, dass es noch mehr Tagespfleger gibt", sagt er. Neugierigen Eltern rät Eis, sich übers Jugendamt zu informieren und sich vor Ort bei Tagespflegern einen eigenen Eindruck zu verschaffen.

Als Tagespapa pfeift Eis auf gängige Geschlechterklischees. Und der Erfolg gibt ihm recht.

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