Zum Schuljahr 2016/2017 sagt die aktuelle Prognose der Stadt 500 Schüler mehr als heute in den Grundschulen "Leipziger Straße", "Ottersleben", "Amsdorfstraße" und "Friedenshöhe" voraus. Die Volksstimme hatte in ihrer Ausgabe vom 10. März angesichts des erfreulichen Zuwachses öffentlich die Frage danach gestellt, ob die Kapazitäten in den Schulen überhaupt ausreichen. OB Lutz Trümper sah keine Probleme – Elternvertreter und manche Kommunalpolitiker sehen das anders.

Leipziger Straße, Sudenburg, Ottersleben. Jörg Hulverscheidt hat eine Tochter, die Schule und Hort in der Grundschule "Friedenshöhe" besucht. Derzeit gehen 177 Kinder in diese Schule, laut Prognose der Stadt könnten es im Schuljahr 2016/2017 über 300 sein. Der Vater kommentiert dies und den Standpunkt von OB Lutz Trümper ("Diese Schule hat 12 Unterrichts- und 6 Horträume. Da in einem Unterrichtsraum 25 Schüler unterrichtet werden können, hat ,Friedenshöhe‘ eine Kapazität von 300 Kindern. Nutzt man auch die sechs Horträume für den Unterricht, ergäbe dies eine Maximalkapazität von 450 Schülern.") so:

"Probleme im Schul- oder Hortbetrieb? Hier doch nicht. Nach einer Schulsanierung kann das doch nicht sein. Musik- und Kunsträume werden zu Multifunktionsräumen. Das lernen die Kleinen schon. Zu wenig Toiletten für die Kinderzahl? Das schaffen die Kleinen schon! Ist der Klassenraum nun Unterrichtsraum oder Spielraum (Hort)? Das wissen die Kleinen schon. Der Essenraum ist zu klein? Das verstehen die Kleinen schon! Ich kann nur sagen: Schulkinder, willkommen im Leben! Die Stadt darf ihre Fehlplanungen nicht verdrängen und muss endlich vor Ort die Probleme lösen. Denn wie sagen derzeit alle Parteien zur Wahl: Bildung, Bildung und an die Kinder denken."

Ottersleben: Zweifel

Auch aus der Grundschule Ottersleben (sie wird laut Prognose auch 2016/2017 403 Schüler haben – derzeit sind es 405) meldete sich mit Holger Paech ein Vater. Er ist Vorsitzender des Schulelternrates: "Eine Schule – zwei Standorte, das ist für Kinder, Eltern und Lehrer in Ottersleben kein wirkliches Problem. Vor allem aus den 4. Klassen gibt es gar teils begeisterte Rückkoppelungen nach dem Motto ,So viel Platz hatten wir ja noch nie!‘. Natürlich bedarf es zusätzlicher Anstrengungen, um das Wir-Gefühl aller Grundschulkinder zu erhalten. Klar würden wir Eltern lieber alle Kinder gemeinsam an einem Standort von der 1. bis zur 4. Klasse lernen sehen, so wie es in einer Grundschule üblich ist. Aber wir können uns die Welt auch nicht schön malen, zumal wir am kürzeren Hebel sitzen. Das haben wir nicht zuletzt in den teils heftigen Auseinandersetzungen mit der Stadt 2006/2007 gelernt, als es um die Auslagerung der 4. Klassen ging. Ich sage: Lieber zwei Standorte in kleiner Entfernung, aber dafür mit Raum für alle Kinder, als ein Standort, wo die Kinder regelrecht gepfercht werden und ein gesetzeskonformes Unterrichten unmöglich ist. Richtig bleibt aber auch: Wir Eltern in Ottersleben sind nicht vergesslich. Der Fachbereichsleiter Schule und Sport, Jens Krüger, hatte uns 2007 versprochen, dass die Auslagerung der 4. Klassen nur eine ,zeitlich befristete, vorübergehende Lösung‘ ist. Wir nehmen zur Kenntnis, dass diese ,vorübergehende Lösung‘ im Sommer in ihr fünftes Jahr geht und damit bereits älter ist als eine komplette Grundschulzeit. Insoweit sind meine grundsätzlichen Zweifel an der Verlässlichkeit von städtischen Planungen und Vorhersagen nicht kleiner geworden."

Lemsdorf: "Alter Hut"

Den Vorstoß von SPD-Stadtrat Jens Hitzeroth, den Schulstandort Lemsdorf angesichts der steigenden Schülerzahlen in der Nachbarschaft neu zu beleben (Volksstimme von gestern) bezeichnete Amtskollege Oliver Müller (Linkspartei) in einer ersten Reaktion als "alten Hut": "2008 hatte ich einen nahezu ähnlich lautenden Antrag (A0085/08) im Stadtrat gestellt. Damals stimmte die komplette SPD-Fraktion gegen die Wiedereinrichtung der Grundschule Lemsdorf, wie auch die CDU, obwohl schon seinerzeit klar war, dass die Schülerzahlen steigen, was zunehmend auch ein gravierendes Problem für die Hortversorgung ist."

 

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