"Ein wunderbares Haus", schwärmt Ingo Oschmann über die Grüne Zitadelle. Er mag Hundertwasser, die Architektur mehr als die Bilder, erzählt er. Das habe er wohl von seinem Vater, dem Architekten. Und eine Stadt wie Magdeburg brauche so ein Gebäude, es tut dem Stadtbild gut.

Altstadt. "Wenn man von der Autobahn kommt, hat man den Eindruck, der Ulbricht kommt gleich aus dem Busch gesprungen", sagt er, lacht und meint: "Ist mit Bielefeld ja genauso! Wenn du da mit dem ICE reinfährst, denkst du nur: Die armen Leute!"

Ingo Oschmann war am Ende der vorigen Woche erstmals in Magdeburg. Er präsentierte sein Programm "Wunderbar – es ist ja so!" im Theater in der Grünen Zitadelle. Dass dies relativ klein ist, stört ihn nicht: "Es ist egal, wie viele Leute da sind, Hauptsache, sie haben Spaß."

Während andere Comedians Stadien füllen auf dem Weg zu Rekorden, nimmt man dem Bielefelder diese Worte ehrlich ab. Er sei ja auch kein Comedian, sagt er, er sei Unterhalter und lebe vom Publikum. "Was es mir gibt, bekommt es auch wieder zurück."

Wie das funktioniert, bewies er in Magdeburg. Von der ersten Minute an wird Oschmann frenetisch gefeiert, was gewiss nicht nur an seinem Motto liegt, das er dem Publikum nahelegt: "Entweder alle oder keiner" (klatschen).

Rund drei Stunden lang unterhält Ingo Oschmann seine Gäste. Er versteht es, sein Publikum so einzubeziehen, dass es sich akzeptiert, erkannt und natürlich gut unterhalten fühlt. "Wenn du das Publikum nicht kriegst, ist es spätestens in der Pause verschwunden", weiß er – doch diese Bedenken sind unbegründet. Jedenfalls in Magdeburg. "Ihr seid gut! Ihr lacht an den richtigen Stellen", erklärt er kichernd während des Auftritts und manchmal weiß man nicht, wer sich mehr amüsiert – der Mann auf der Bühne oder die Menschen davor.

Er kriegt das Publikum auf seine Seite. Dabei ist er nicht nur lustig, auch nachdenklich, ja mit fast philosophischen Zügen. Immer wieder sinniert er über die Dinge des Lebens. Und wenn es dann ganz ernst wird, kommt von irgendwoher so ein schräger Seitenschlag, dass sich die Spannung im Lachen löst. Ingo Oschmann nimmt das Publikum mit auf eine Zeitreise. Dahin, als das Einzige, das online war, die Wäsche seiner Oma gewesen ist. "Vieles ist heut übersättigt, man kann sich gar nicht mehr richtig freuen, denn es ist nichts Besonderes mehr", sinniert er. "Wenn etwas gut ist, ist es nicht toll, sondern o.k. Aber wenn‘s nicht so gut ist, können wir uns Stunden lang darüber aufregen."

Er entführt zurück in die 70er und 80er Jahre, als sein Held noch McGyver hieß und er verliebt war in das Mädchen aus der Jazztanzgruppe. Er beschwört Bilder herauf, von seinem ersten Helden, seinem "Oppa" (so sagt man in der Bielefelder Gegend), der ihm seinen ersten Zaubertrick beigebracht hat. Und er lässt sie im wahrsten Sinne hören, die erste Schallplatte ... das Rauschen, bevor die Musik begann ... Jedes Knacksen eine Geschichte und der Ritsch eine Erinnerung und mehr: "Für manchen sind es Erinnerungen, für mich ist es eine Welt", erzählt der Bühnenmann dem Publikum.

Das ist letztlich ganz verzaubert, auch von seiner Zauberkunst. Oschmann lässt eine Bowlingkugel aus einem Zeichenblock plumpsen, verblüfft mit einem Kartentrick und präsentiert ein "Rechenwunder".

Zum Schluss macht er jedem Komplimente: dem Publikum, den Gastgebern, den Technikern und Kellnern. "Ihr seid wunderbar!" Und er schwärmt von diesem Theater im Hundertwasserhaus: "Werbt dafür, es ist einmalig."

Und wer mochte, konnte sich diesen, seinen ganz persönlichen Abend mit nach Hause nehmen. Auf CD gebrannt. Doch Oschmann würde nicht von Schallplatten schwärmen und dann simple Silberlinge verschleudern – nein, seine CDs sehen aus wie Schellack, nur kleiner. Und sie sind in einer Papphülle verstaut, wie früher. Mit dem Unterschied: Oschmann verziert die Cover persönlich. Mit Datum und Unterschrift und wer will, bekommt auch noch seine ganz persönliche Widmung dazu. Locker und gelöst ist der Bielefelder, scherzt mit dieser und mit jenem, lässt sich fotografieren, immer wieder.

Im wahrsten Sinne ein einmaliger Abend. Einer, den es nie wieder geben wird, denn jeder Abend mit ihm ist anders. Das verspricht Ingo Oschmann ebenso wie sein Wiederkommen. Wunderbar! – das ist es!

Bilder