Auf der Tagesordnung der kommenden Stadtratssitzung steht erneut die Erweiterung des T-Systems-Rechenzentrums an der Lübecker Straße. Der Ausgang der Diskussion scheint allerdings noch offen zu sein, denn im Umweltausschuss wurde das Problem jüngst vertagt.

Magdeburg. Die Mitglieder des Umweltausschusses waren sich in der vergangenen Woche unsicher. Sie sollten über den Bebauungsplan "Nr. 134-7 Lübecker Straße 2, Insleber Straße" (Erweiterung des T-Systems-Rechenzentrums) eine Entscheidung treffen, haben das Ganze aber vertagt, wie Ausschussvorsitzender Oliver Wendenkampf (SPD-Tierschutz-future!) berichtete. Man wolle den B-Plan in einer Gemeinschaftssitzung von Umwelt-, Wirtschafts- und Bauausschuss beraten und dann entscheiden.

Zur Erinnerung: Der Bebauungsplan beinhaltet die Erweiterung des Rechenzentrums der Telekomtochter T-Systems, die dort für 200 Millionen Euro neue Hallen und eine neue Anlage bauen will. Dagegen wehrt sich die Bürgerinitiative "Magdeburg21", in der sich betroffene Anwohner des Heinrich-Mundlos-Rings zusammengefunden haben. Sie befürchten für die Grundstücke direkt neben dem Rechenzentrum eine Beeinträchtigung der Lebensqualität vor allem durch zu viel Schatten durch die großen Hallen. Allerdings gibt es im Mundlosring auch eine Gruppe von Anwohnern, die das nicht so sieht. Sie stoßen sich vor allem an einem sogenannten Kompromissvorschlag, wonach für eine Umsetzung der betroffenen Häuser der Spielplatz im Wohngebiet teilweise geopfert werden sollte. Gegen diesen Vorschlag wurden Unterschriften im Mundlosring gesammelt und OB Lutz Trümper überreicht. Tatsächlich ist dieser Vorschlag vom Tisch und wird auch von der Bürgerinitiative "Magdeburg21" nicht mehr verfolgt.

Ein neuer Vorschlag besagt, dass das T-Systems-Projekt nach Süden in Richtung Bahndamm verschoben werden könnte. Um Baugrundstücke für Eigenheime zu gewinnen, könnte die nahegelegene Gartensparte verkleinert werden. Das wiederum hält OB Trümper für abwegig, da zu teuer und vor allem für die Kleingarten- sparte nicht akzeptabel. Trümper setzt jetzt auf den besagten Bebauungsplan. Nach der Rücknahmen von der Tagesordnung der März-Stadtratssitzung sei der Plan noch einmal juristisch geprüft und dahingehend verändert worden, dass beim Ausbau einer Halle die Gesamthöhe von 22 auf 10 Meter reduziert wurde. "Ich denke, damit ist der Bebauungsplan juristisch einwandfrei und abstimmungsfähig", sagte Trümper gestern im Volksstimme-Gespräch. Das habe er kürzlich in einem Gespräch mit der Bürgerinitiative "Magdeburg21" auch noch einmal deutlich gemacht.

Ähnlich sieht es T-Systems. Wie Telekom-Sprecher Georg von Wagner sagte, seien alle Anregungen und Stellungnahmen in den Bebauungsplan mit eingeflossen und so den Bedenken der betroffenen Nachbarn Rechnung getragen worden. Darum könne der Offenlegung des B-Plans aus Sicht von T-Systems vom Stadtrat zugestimmt werden. Dies hätten Vertreter von T-Systems am vergangenen Dienstag in einem Gespräch mit der Bürgerinitiative deutlich gemacht. Auch habe man den Betroffenen angeboten, dass sie vom Unternehmen in die Detailplanung der Außenanlagen des Rechenzentrums eingebunden werden könnten.

Im Stadtrat gehen die Meinungen zu der Sache auseinander. Die Fraktion der Grünen wünscht sich einen tragfähigen Kompromiss, spricht sich aber klar gegen die Spielplatz-Variante aus. Allerdings sollte die Verschiebung des T-Systems-Projektes Richtung Bahndamm geprüft werden. Die Fraktion von SPD-Tierschutzpartei-future! hält es dagegen für besser, mit der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplans eine rechtliche Grundlage für weitere Schritte zu schaffen. Eine längere Diskussion nutze weder dem Unternehmen noch den Kritikern des Projektes.

Die Bürgerinitiative "Magdeburg21" war gestern nicht zu erreichen, sie behält sich aber weitere juristische Schritte in der Angelegenheit vor, wie sie mehrfach erklärt hatte.