Die Gruson-Gewächshäuser nach ihrer Schönheitskur: Rund 20 000 Gäste schlenderten seit der Wiedereröffnung im Dezember durch den repräsentativen neuen Eingang und das sanierte Palmenhaus. Acht Monate Bauzeit und 2,7 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II haben dem altehrwürdigen Pflanzenparadies zu neuem Glanz verholfen. Doch die Freude der Besucher endet manchmal schon vor der Eingangstür, und zwar bei der Suche nach einem Parkplatz.

Buckau. Ein paar Pkw-Stellflächen für Behinderte auf dem Wirtschaftshof gleich neben den Gewächshäusern? Das war einmal. Dafür vielleicht auf der großzügigen Fläche vor dem neuen Eingang? Fehlanzeige. Durchgängig gesetzte Poller an der Schönebecker Straße machen unmissverständlich klar: Hier kommt kein Auto durch. Nicht mal eben zum Ein- und Aussteigen und schon gar nicht zum Parken. So suchte auch Familie Neumann aus Stadtfeld vergebens nach einem Behindertenparkplatz. An einem Schlechtwettertag wollte sich die Familie ein wenig Abwechslung in dem Tropenparadies unter Glas gönnen. Doch ihre Suche nach einem behindertengerechten Stellplatz brachte sie statt dessen eher auf die sprichwörtliche Palme als in das grüne Palmenparadies. "Die Suche nach einem Behindertenparkplatz hat uns enttäuscht den schönen Gedanken aufgeben lassen", schreibt Christa Neumann an die Redaktion. Sie fragt: "Was haben sich die Planer bei der Konzeption dieser pompösen neuen Eingangslösung wieder für große Mühe gegeben, einem Körperbehinderten den Zugang zu vermiesen? Früher konnte das Auto auf dem Wirtschaftshof vor dem Eingang stehen. So einfach war das einmal", erinnert sie sich.

Doch das war einmal. Der Bereich vom Wirtschaftshof ist für Besucherverkehr gesperrt. Am Tor weist ein Schild darauf hin. Und vor dem neuen Haupteingang stehen seit einiger Zeit die Poller. Wo also sollen die Gäste parken? Vor allem auch die, die schlecht zu Fuß oder gar auf den Rollstuhl angewiesen sind? Auf Nachfrage verweist Rathaussprecher Michael Reif auf den Parklatz am Elbbahnhof, wo "ausreichend Parkplätze zur Verfügung" stünden. "Menschen mit Behinderungen können unterhalb der Elbbahnhofsbrücke drei befestigte Behinderten-Parkplätze nutzen", so Reif.

Diese Behindertenparkplätze sind rund 250 Meter entfernt von den Gewächshäusern, wenn man den befestigten Weg über die Schönebecker Straße nimmt. Für die Verantwortlichen offenbar eine zumutbare Distanz. "Ein Rundgang durch unsere Gewächshäuser summiert sich auch auf mehrere hundert Meter", hält der wissenschaftliche Leiter der Gewächshäuser Dr. Ludwig Martins fest. Soll wohl heißen: Wer so schlecht zu Fuß ist, dass er den Weg bis zum Parkplatz nicht schafft, wird auch mit dem Rundgang Mühe haben.

Wenigstens sind sämtliche Zugänge und Wege in den Tropenhäusern behindertengerecht, wie Sprecher Reif betont. Wer nur zum Ein- und Aussteigen kurz in Gewächshausnähe halten möchte, dem empfiehlt Michael Reif das kleine Rondell vor dem Gesellschaftshaus. Derzeit nicht optimal, da noch unbefestigt, sei die Zuwegung zu den Gewächshäusern von der Schönebecker Straße aus, räumt er ein. Der Weg bis zum neuen Eingang soll in diesem Jahr in 1,50 Meter Breite asphaltiert werden, ein Termin stünde aber noch nicht fest. Dabei soll möglichst auch gleich eine Abstellmöglichkeit für Fahrräder geschaffen werden, ergänzt Gewächshauschef Dr. Martins. Die fehlt bislang ebenfalls.

Martins erklärt, warum an den Glashäusern kein Parken von Autos möglich sein soll. "Die Freifläche vor dem neuen Eingang gehört zum denkmalgeschützten Klosterbergegarten. Deshalb dürfen da keine Autos stehen." Nicht einmal zum Ein- und Aussteigen. Und die wenigen Plätze am Wirtschaftshof seien "für das Personal reserviert", weil deren frühere Stellflächen weggefallen seien.

Pech also für die Gäste, denen nur der Ausweich auf die externen Parkplätze am Elbbahnhof oder etwas versteckt schräg gegenüber an der Schönebecker Straße, Zufahrt über Erich-Weinert-Straße, bleibt. (Kleiner) Fußmarsch inklusive. Zumindest ein Vorteil wäre zu nennen: Beide Parkplätze sind kostenfrei.

 

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