Die Zukunft der alten Reichsbahndirektion am Schleinufer scheint gesichert. Gestern stellten Investoren und zukünftige Betreiber ihre Pläne für ein Kompetenzzentrum für Demenzkranke vor, das bis 2012 in den denkmalgeschützten Bau einziehen soll. Rund 110 Betreuungsplätze sind dort geplant.

Altstadt. Rund drei Wochen wird er noch im Amt sein, der dienstälteste Bauminister in Deutschland, Karl-Heinz Daehre. Darum freute er sich gestern auch, bei der Präsentation des "Kompetenz- Centrums für Demenz", das in die alte Reichsbahndirektion einziehen soll, dabei zu sein. In seiner 12-jährigen Amtszeit hatte ihn der Bau schon mehrfach beschäftigt. "Mit dem jetzigen Investor wird wieder ein städtebaulicher Missstand in Magdeburg beseitigt", sagte Daehre und lobte "den Mut" des Investors, das Projekt in Angriff zu nehmen.

Wie viel Geld die Vitanas-Gruppe in das alte Reichsbahngebäude stecken will, ließ Caspar Boshamer, einer der Geschäftsführer des Unternehmens, gestern offen. Man stecke noch mitten in den konkreten Planungen, darum könne man noch keine genauen Beträge nennen. "Es wird aber eine zweistellige Millionensumme sein", sagte Boshamer. Den Kaufpreis für das exponierte Gebäude behielt er ebenfalls für sich.

Hauptinvestor für das Projekt ist die "Burkart Verwaltungen GmbH". "Wir hoffen, dass die Baupläne in den kommenden Monaten fertig sind und die Baugenehmigung von der Stadt erteilt werden kann", sagte Unternehmenschef Nikolai Burkart. Im Gebäude werde sich auf jeden Fall viel verändern, vor allem würden die sehr hohen Decken heruntergezogen. Sollte es erforderlich sein, werde man das Gebäude auch durch einen Anbau erweitern.

Das "Vitanas Demenz Centrum Magdeburg" soll zukünftig 15 Doppelzimmer und 77 Einzelzimmer für an Demenz erkrankte Menschen haben, das heißt, es entstehen rund 110 ambulante und stationäre Pflegeplätze. Dabei soll das Pflegeangebot von Kurzzeitbetreuung, Wohngruppen bis Intensivpflege reichen. 75 Mitarbeiter sollen dort dauerhaft beschäftigt werden, und auch Ausbildungsplätze wolle man schaffen. Auf rund 5600 Quadratmetern Nutzfläche solle nicht nur eine moderne Betreuungseinrichtung etabliert werden, geplant sei, die Einrichtung auch zu einem Forschungs- und Kompetenz-zentrum zu machen. Dazu wolle man mit dem "Deutschen Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen für Sachsen-Anhalt" (DZNE) eng zusammenarbeiten, sagte Caspar Boshamer.

Grundlagenforschung und Kooperation

Das DZNE habe zwar seinen Sitz am Klinikum der Otto-von-Guericke-Universität, eine direkte Zusammenarbeit mit dem Uni-Klinikum sei aber nicht geplant, sagte Dr. Peter Strutz, Referatsleiter im Kultusministerium. Ziel der Kooperation zwischen Vitanas und dem DZNE sei es, neueste Erkenntnisse aus der Demenzforschung in der Magdeburger Einrichtung umzusetzen, aber gleichzeitig sollen auch Möglichkeiten geschaffen werden, das Kompetenzzentrum für Demenz in die Grundlagenforschung mit einzubeziehen. Die Einrichtung in Magdeburg soll dadurch zu einem "Leuchtturm der Demenzbehandlung" werden, hoffen alle am Projekt Beteiligten.

Wenn sich alle Pläne umsetzen und schnell realisieren ließen, wolle man im September 2012 im "Kompetenz Centrum für Demenz in Magdeburg" die Arbeit aufnehmen.

Die Vitanas-Gruppe wurde 1969 in Berlin gegründet, hat 5170 Mitarbeiter und betreibt bundesweit 35 Seniorenzentren, zwei Kliniken für Altersheilkunde und drei Integrationszentren für Menschen mit Behinderungen. Der Jahresumsatz liegt bei rund 250 Millionen Euro. In Magdeburg gehört das "Senioren-Centrum Elbblick" in der Jakobstraße zur Vitanas-Gruppe.

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