Von Birgit Ahlert

Herrenkrug. Es war die "Gunst der Stunde", die Heinz-Rudolf Kunze wieder nach Magdeburg brachte. Dass dahinter natürlich mehr steckt, zeigte das Konzert am Freitagabend, das eigentlich das erste war, und doch als zweites stattfand. "Das ist kein Aprilscherz", kommentierte Kunze, "nur kompliziert".

Ganz und gar nicht kompliziert ist das Verhältnis des Sängers zu seinem Publikum. Der Ansturm auf die Karten für sein Konzert zeigt die Beliebtheit des Künstlers auch nach 30 Jahren. Denn dieser Mann besingt nicht nur die "eigenen Wege", er lebt sie auch. Und das macht ihn unter all dem "Superstar"-Mainstream so einmalig.

Doch anstatt in große Säle zu gehen, um dort das Bühnenjubiläum zu feiern, geht Kunze in Häuser wie das Alte Theater, wo er den Fans nah ist und sie ihm. Der Philosoph unter den Rockern ist ganz Mensch, ganz nah, er singt den Menschen nach wie vor aus dem Herzen, auch mit seinen zeitlosen Hits, die einfach aktuell bleiben und von denen so manche zum Programm gehören. Doch es ist kein "Best of"-Konzert. Wie sollte das auch möglich sein – nach all den wunderbaren Liedern, die Heinz-Rudolf Kunze bereits hervorgebracht hat. Statt dessen gab es ein Gemisch aus der Musik der vergangenen Jahre mit den aktuellen Liedern des Albums "Die Gunst der Stunde", allen voran "Hunderttausend Rosen", mit denen Kunze erneut einen Ohrwurm gelandet hat. Doch es sind bei weitem nicht nur die eingängigen Melodien - die Wortzaubereien sind ein Kunstwerk. Doch Kunze wär nicht Kunze ohne Mission. Und die tut er nicht zuletzt kund in dem Lied, das spontan zum Tourbeginn geschrieben wurde: "Ihr findet keine Insel" – als Antwort auf die Geschehnisse in Japan und die Atompolitik weltweit.

Dann kann selbst ein Textzauberer wie Kunze ein "oh oh oh" singen lassen, ohne dass es kitschig wird. Und das Publikum singt es noch, als der Meister längst wieder am Klavier sitzt, um zum nächsten Lied überzugehen. Er soll weitermachen, macht weiter ... Beeindruckend.

Auch nach zwei Stunden wollen die Fans kein Ende. Und wenn der Jubilar in einer der Zugaben singt "Willst du mich seh’n, nach all der Zeit" kann es nur eine Antwort geben: Ja und immer wieder ja!