Altstadt. Widerspruch zum Widerspruch: Kulturdezernent Rüdiger Koch hat gegen die Ablehnung des unausgeglichenen Theater-Wirtschaftsplanes durch das Landesverwaltungsamt Einspruch eingelegt. Die Genehmigungsbehörde hatte den darin eingeplanten Jahresverlust in Höhe von 566 500 Euro nicht akzeptiert. Die Summe soll abgesenkt werden.

Das Theater Magdeburg sieht sich offenbar außerstande, die Forderung zu erfüllen. Ein von ihm auf der jüngsten Stadtratssitzung vorgelegtes und beschlossenes Konsolidierungskonzept sieht für das Jahr 2011 keine weiteren Einsparungen vor. Im Gegenteil orientiert es auf die Erhöhung der Landesförderung mit dem neuen Theatervertrag ab 2013.

Kulturbeigeordneter Rüdiger Koch rechtfertigte: Nach fünfjährigem Sparkurs sei das Ende der Fahnenstange erreicht. Die Hausaufgaben seien gemacht, stellte er vor den Abgeordneten sinngemäß klar. Für 2011 habe das Theater ja bereits eine Steigerung des Umsatzes auf 134 000 Euro (13 Prozent) sowie die Absenkung des Honoraraufwands um knapp 100 000 Euro (10 Prozent) ins Kalkül gezogen.

Außerdem: Die Umsatzerlöse des Theaters hätten sich zwischen 2007 und 2010 um 16 Prozent erhöht. Der Kostendeckungsgrad sei um fast drei Prozent gestiegen, sagte er. Das Defizit resultiere also auch nicht aus Misswirtschaft oder mangelnder Kreativität, bescheinigte Koch dem Theater.

Denn wirtschaftlich zu Buche in die andere Richtung schlugen zwischen 2005 und 2010 u. a. die auf Grundlage der Tarifverträge um 2,4 Millionen Euro gekletterten Personalaufwendungen und der Anstieg weiterer Kosten, erklärte er. Parallel dazu sei der Anteil der Landesförderung an der Gesamtfinanzierung des Theaters seit 2005 von 36,2 auf derzeit 33,7 Prozent gesunken.

Ist das vorgelegte Programm mit einer Konsolidierungssumme von 0 Euro für 2011 eine Provokation? Koch verneint. Er sehe darin ein eindringliches Signal an die neue Regierung, eine dynamische Landesförderung (Anlehnung an öffentliche Tarife) spätestens mit der geplanten Neueinrichtung der Theaterverträge ab 2013 zu bewerkstelligen. Im Gespräch sind rund eine Million Euro mehr ab 2013.

Kommt das nicht, dann müsste die Landeshauptstadt, die selbst einem einschnürenden Konsolidierungsprogramm unterliegt, ihren Zuschuss erhöhen. Alternativ müsste sie ein deutlich reduziertes Angebot beschließen.

Rüdiger Koch nannte mit der Einstellung des Domplatz-Open-Airs, mit Spartenschließungen und mit der Umwandlung des Schauspielhauses in ein sogenanntes Bespieltheater einige mögliche Varianten.

Spartenschließung aber käme für die Verwaltungsspitze nach den umfänglichen Strukturreformen der Vorjahre nicht in Frage, betonte er zugleich. Er warnte im Stadtparlament: Bei weiteren strukturellen Einschnitten bleibe das Theater auf Dauer nicht konkurrenzfähig.

Im bewussten Konsolidierungskonzept des Eigenbetriebs Theater Magdeburg wird übrigens für 2013 eine Einsparsumme von 1,2 Millionen, 2014 von 1,4 Millionen und 2015 von 1,6 Millionen Euro ausgewiesen. Der Stadtrat votierte einstimmig für das Dokument. Zurück bleibt trotzdem die Frage: Wer muss im laufenden Jahr 2011 die Zuschüsse erhöhen – Stadt oder Land?

Koch fordert nun eine Verständigung auf Landesebene generell über Theaterangebote – das unter der Berücksichtigung der verfügbaren Finanzen.