Hält der Name "Behördenruf" auch was er verspricht oder ist die neue Telefonnummer 115 nur eine bessere Vermittlung? Wie reagieren die Mitarbeiter, wenn die Fragen etwas kniffliger werden? Die Volksstimme testete gestern Vormittag die Rufnummer 115. Fazit: Schnelle Hilfe, sie stößt aber auch ebenso rasch an ihre Grenzen.

Magdeburg. So viel vorweg: Das Versprechen, 75 Prozent der Anrufer nicht länger als 30 Sekunden in der Warteschleife hängen zu lassen, hat der neue Behördenruf im Test erfüllt. Doch wie sieht es mit der Bürgerfreundlichkeit der Antworten aus?

Zum Beispiel bei der Frage nach dem Beantragen eines Oldtimer-Kennzeichens. Die Mitarbeiterin bittet um einen Moment. Die PC-Tastatur klickert. "Sie müssen Ihren Ausweis, die Versicherungsbestätigung, TÜV-Papiere und alles was dazugehört mit ins Bürgerbüro nehmen. Da bekommen Sie Ihre Kennzeichen", sagt sie freundlich. Sie sucht das nächstgelegene Bürgerbüro via PC heraus, klärt über die Öffnungszeiten auf und nennt sogar die Kosten. Rundum eine gute Beratung.

Doch nicht immer sind scheinbar einfache Fragen leicht zu beantworten. Die nächste Mitarbeiterin soll der Frage nachgehen, wann die blaue Tonne kommt. Doch schon zu Beginn lässt ein "Kleinen Moment mal" einschließlich Tastaturklappern einen kniffligen Fall erahnen. "Da müssen Sie mal bei der Abfallwirtschaft nachfragen … oder warten Sie mal …". Die Tastatur klickert wieder. "Da gibt es sogar eine PDF von", lässt die Dame entrüstet an ihrem Suchvorgang im Computer den Wartenden teilhaben, um ihn dann mit einer Telefonnummer und einem "Ich verbinde" allein zu lassen. Beim Abfallwirtschaftsbetrieb ist leider besetzt. Hilfreicher ist da schon die Antwort auf die Frage, ob ich mit Problemen rechnen müsste, wenn ich mich nach einem halben Jahr noch nicht umgemeldet habe, dies aber nun nachholen möchte. Laut Meldegesetz des Landes Sachsen-Anhalt müsste eine Ummeldung innerhalb einer Woche erfolgen. Die Mitarbeiterin erteilt dennoch den entscheidenden Tipp zwischen den Zeilen: "Sie müssen nur den Ausweis mitbringen. Der alte Mietvertrag ist da eigentlich nicht erforderlich."

Soll heißen: Wer nicht gerade mit seinem Versäumnis hausieren geht, kommt noch mal mit dem blauen Auge davon. Die Mitarbeiterin nennt das zuständige Bürgerbüro samt Öffnungszeiten. Eine perfekte Beratung – aus Sicht des Bürgers.

Professionell erweist sich auch die Antwort auf die Frage: "Mein Reisepass ist abgelaufen, ich will aber am 3. Juli in die USA einreisen." Die Mitarbeiterin verweist auf die dringend benötigte Visaanmeldung. Informationen gibt es beim auswärtigen Amt, verweist sie auf die richtige Stelle. "Wenn Sie sich beeilen und ins nächste Bürgerbüro gehen, steht dem rechtzeitigen Ausstellen des Reisepasses nichts im Weg", sagt sie und nennt auch gleich den Preis. Auch die Nachfrage "Was ist mit den biometrischen Daten?" beantwortet die Service-Mitarbeiterin souverän: "Sie müssen nur dem Fotografen Bescheid sagen, dass das Bild für den Reisepass bestimmt ist. Eine Fotobox kann ich für so etwas hingegen nicht empfehlen. Außerdem sollten Sie auf Ihren rechten Zeigefinger aufpassen und nicht vorher daran schneiden, denn wir benötigen noch einen Fingerabdruck." Wenn das kein guter Behördentipp ist, was dann.

Etwas irritiert reagiert die Servicemitarbeiterin auf die Frage, wohin mit meinem toten Wellensittich? "Kleinen Augenblick … Mal sehen… Das dauert noch", heißt es in längeren Abständen am anderen Ende der Leitung, während die PC-Tastatur klickert. "Ich suche die richtige Nummer", meint sie. Doch plötzlich ist die Vermittlung der Stadtverwaltung dran. Diese verbindet nach erneuter Schilderung des Problems mit dem Veterinäramt. Nach dem erneuten Stellen der Frage heißt es: Auf dem eigenen Grund und Boden dürfen die kleinen Vögel vergraben werden. "Wenn das nicht möglich ist, gibt es noch den Tierfriedhof, oder auch jeder Tierarzt oder das Tierheim nehmen ihn kostenpflichtig entgegen", sagt die Frau am anderen Ende der Leitung. Und was kostet das? "Nicht mehr als 20 Euro. Genau kann ich Ihnen das nicht sagen, ich habe meine Gebührenordnung an eine Kollegin verborgt", erklärt sie.

Immerhin: Das Service-Center kann sogar zur Magdeburger Polizei vermitteln. Vorausgesetzt, es nimmt jemand den Hörer ab. Die Service-Mitarbeiterin vom Behördenruf 115: "Da nimmt jetzt leider keiner ab. Können Sie später noch mal anrufen?"