Berlin - Der einstige DDR-Spitzenfunktionär Günter Schabowski verkraftet keine größeren Anstrengungen mehr. Der schwer Herzkranke wird seinen 85. Geburtstag zu Hause in Berlin mit der Familie verbringen, wie seine Frau Irina Schabowski der Nachrichtenagentur dpa sagte. "Es wird eine sehr stille Feier." Der einstige Politfunktionär hatte am 9. November 1989 die Maueröffnung verkündet und damit für eine Weltsensation gesorgt. Schabowski wurde am 4. Januar 1929 in Anklam geboren.

Ob Schabowski zum 25. Jahrestag des Mauerfalls öffentlich auftrete oder an Diskussionen teilnehme, sei noch völlig offen. "Wir arbeiten dran. Aber mein Mann wird sehr schnell müde", sagte seine Ehefrau, die ihn nach eigenen Angaben zu Hause betreut. Möglich seien derzeit nur Unternehmungen ohne langen Wege.

Nach der Wende hatte sich Schabowski von seiner SED-Karriere distanziert und zu moralischer Schuld und Mitverantwortung bekannt. "Wir haben alles falsch gemacht", hatte das frühere Mitglied des SED-Politbüros, dem höchsten DDR-Machtzirkel, 2009 der dpa gesagt. Die DDR sei ein missglückter Versuch gewesen.

Schabowski war wegen seiner Mitverantwortung für das menschenverachtende DDR-Grenzregime zu drei Jahren Haft verurteilt und später begnadigt worden. 2010 sagte er im ZDF, seine Haftstrafe sei gerecht gewesen. Er schäme sich für den Staat, für den er sich bis zu dessen Zusammenbruch eingesetzt habe.

Schabowskis Gesundheit ist seit längerer Zeit angeschlagen. Schon zum 20. Jahrestag des Mauerfalls musste er deshalb Diskussionsrunden absagen. Immer wieder wurde er in Kliniken behandelt und nach früheren eigenen Angaben auch mehrmals operiert.

Zuletzt hatte sich Schabowski 2009 eine Kontroverse mit dem einstigen SED-Generalsekretär Egon Krenz geliefert. Beide sind sich spinnefeind. Er habe die Maueröffnung nicht im Alleingang und aus Versehen verkündet, hatte Schabowski damals der dpa gesagt. In der Sitzung des SED-Zentralkomitees am 9. November 1989 zum neuen DDR-Reisegesetz habe SED-Generalsekretär Krenz ihn gebeten, darüber am Abend die internationale Presse zu informieren.

Krenz sagte damals hingegen, Schabowski habe die Öffnung der DDR-Grenzen "aus Unkonzentriertheit im Alleingang" um Stunden zu früh verkündet und damit die DDR an den Rand einer Katastrophe gebracht. "Das trifft absolut nicht zu", hatte Schabowski gekontert. Mit der Erlaubnis für DDR-Bürger, ins westlichen Ausland zu reisen, sollte die DDR gerettet werden.

Der heute 76-jährige Krenz nimmt für sich in Anspruch, dass die Maueröffnung ohne Blutvergießen verlief. Er ist der Ansicht, dass sich niemand für die DDR schämen müsse. Seine Verurteilung zu sechseinhalb Jahren Haft wegen seiner Mitverantwortung für die Mauer-Toten hatte er wiederholt als "Siegerjustiz" zurückgewiesen.