Gelsenkirchen - Die dürftige Generalprobe konnte die Vorfreude nicht trüben. Schon kurz nach der Nullnummer gegen Mainz wurde beim FC Schalke 04 mehr über die anstehenden Duelle mit Madrid und München als über das Ende der Siegesserie geredet.

Auf den ersten Dämpfer in einer bisher makellosen Rückrunde mit zuvor vier Erfolgen ging Horst Heldt nur am Rande ein. "Am Samstag spielen wir gegen die beste Mannschaft der Welt und am Mittwoch gegen ein Team, das nicht weit davon entfernt ist", kommentierte der Schalker Sportvorstand mit Blick auf die prickelnden Reifeprüfungen in der kommenden Woche.

Alle Hoffnungen, mit weiterem Rückenwind in das Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Real und in den Bundesliga-Hit drei Tage später beim souveränen Spitzenreiter FC Bayern zu gehen, erwiesen sich jedoch als Wunschdenken. Das 0:0 gegen Mainz taugte nur bedingt als Mutmacher. Von Duellen auf Augenhöhe kann nach Einschätzung von Trainer Jens Keller ohnehin keine Rede sein: "Es wäre ein kleines Wunder, wenn wir ihnen ein Bein stellen könnten."

Von der Spielfreude und der Effizienz aus den ersten vier siegreichen Rückrunden-Partien war gegen Mainz wenig zu sehen. Stattdessen setzten die von Trainer Thomas Tuchel glänzend organisierten Gäste über weite Strecken die Akzente und waren einem Sieg näher. Der Frust über das Remis hielt sich bei Keller deshalb in Grenzen: "Wir müssen mit diesem Punkt zufrieden sein. Mainz hat richtig gut gespielt."

Spekulationen, wonach der eine oder andere Profi schon gegen Mainz Gedanken an den Auftritt gegen die Königlichen verschwendet haben könnte, wies Heldt vehement zurück: "Ich habe heute keinen Spieler gesehen, der mit angezogener Handbremse gespielt hat."

Einer der wenigen Lichtblicke aus Schalker Sicht war das Comeback von Julian Draxler nach über zweimonatiger Verletzungspause. Der in der 65. Minute eingewechselte Nationalspieler fand zwar nur schwer in die Partie, sammelte aber erstmals seit dem 11. Dezember Spielpraxis: "Genial, dass ich mal wieder diese Atmosphäre aufsaugen konnte." Draxler hofft auf eine längere Einsatzzeit gegen Madrid: "Es war schon mein Kindheitstraum, gegen Real zu spielen."

Ähnlich gut wie die Stimmung von Draxler war die von Gäste-Coach Tuchel. Schließlich hielt der Aufwärtstrend seiner Mannschaft mit zuvor vier Siegen in fünf Spielen auch in Gelsenkirchen an. Das macht Mut für die weitere schwere Aufgabe am kommenden Samstag in Leverkusen. "Es ist sehr wertvoll für uns, gegen solch einen Gegner so auf den Platz zu gehen. Das hatte ich so souverän nicht erwartet. Wir waren heute sehr mutig", lobte Tuchel.

Langsam aber sicher werden die Rheinhessen zu einem Europa-League-Kandidaten. Auf Fragen danach antwortet Tuchel aber weiterhin zurückhaltend: "Okay, wir stecken nicht im Abstiegskampf, dafür ist das zu stabil. Aber alles andere ist Spekulation." Mit ähnlicher Bescheidenheit kommentierte Torhüter Loris Karius den jüngsten Aufwärtstrend: "Alles was über Rang neun hinausgeht, ist ein Bonus für uns."