Frankfurt/Main - Die Lust auf den Europapokal war Armin Veh gründlich vergangen. "Ich habe keine Vorfreude auf Porto, ich habe Sorgen", grantelte der Frankfurter Trainer nach dem trostlosen 0:0 gegen Werder Bremen im Abstiegsduell der Fußball-Bundesliga.

Dass die Eintracht am Donnerstag in der Europa League gegen den portugiesischen Spitzenclub FC Porto den Sprung ins Achtelfinale schaffen kann, löste bei Veh keine besondere Sehnsucht aus. "Als Trainer muss ich schon wieder an den nächsten Sonntag denken, wenn es gegen den VfB Stuttgart geht", sagte Veh. "Wir sind der einzige Club da unten drin, der auch noch auf internationaler Bühne vertreten ist. Das ist nicht einfach."

Noch am vergangenen Donnerstag hatten sich die Hessen an ihrem starken Auftritt beim 2:2 in Porto berauscht, der alle Chancen auf ein Weiterkommen im Heimspiel lässt. Doch die Festtage in Europa entpuppen sich für die Eintracht national immer mehr als schwere Bürde. "Ich bin gespannt, wie die Mannschaft mit der nächsten schweren Woche umgeht. Wir wissen es einfach nicht", sagte Frankfurts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen.

Schon in Porto hatte Bruchhagen gerätselt, wie sich das tolle Resultat auf die Bundesliga auswirken würde. Und der stets zu Zurückhaltung und Skepsis neigende 65-Jährige behielt Recht, schneller als erhofft wurde sein Team auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Doch die magere Nullnummer gegen Bremen war nur zu geringem Maße auf die Strapazen der Doppelbelastung zurückzuführen. Vielmehr fehlten den Gastgebern vor 44 300 Zuschauern in der Commerzbank-Arena schlichtweg die spielerischen Mittel, um gegen die nach der Gelb-Roten Karte gegen Felix Kroos von der 36. Minute an dezimierten Bremer den dritten Heimsieg in Serie zu landen. "Da muss man sich einfach auch mal gegen seinen Mitspieler durchsetzen", monierte Veh das mangelnde Zweikampfverhalten seiner Schützlinge.

Zudem kritisierte der Frankfurter Trainer die "erbärmlichen" Flanken und Standards. Aus 14:2 Ecken, 23:1 Flanken, 21:3 Torschüssen und 74 Prozent Ballbesitz wussten die Gastgeber einfach kein Kapital zu schlagen. "Uns hat ein bisschen die Konzentration gefehlt, was sich leider auf die Präzision ausgewirkt hat", analysierte Bruchhagen.

Und doch hätten die Frankfurter am Ende fast doch noch gewonnen. Zwei Minuten vor Schluss kam Alexander Meier völlig frei zum Kopfball, verfehlte das Gehäuse der Bremer aber um Zentimeter. "Ich wollte genau ins Eck zielen. Dabei habe ich wohl etwas zu genau gezielt", meinte der Mittelfeldspieler nach seinem 200. Bundesligaspiel enttäuscht. Anstatt eines großen Schritts in Richtung Klassenverbleib bleiben die Frankfurter im Abstiegskampf hängen. Der Vorsprung auf den Hamburger SV auf Platz 16 beträgt gerade einmal drei Punkte.

Das gilt auch für den SV Werder, der am kommenden Samstag den HSV zum brisanten Nordderby empfängt. Und doch war die Gemütslage bei den Hanseaten gänzlich anders. "Ich bin mit dem Punkt sehr zufrieden. Die Mannschaft hat es in Unterzahl sehr gut gemacht", sagte Bremens Geschäftsführer Thomas Eichin.

Dass sein Team nach dem Feldverweis gegen Kroos überhaupt keine Anstalten mehr machte, nach vorne zu spielen, wollten die Verantwortlichen nicht als Kritik geltenlassen. Ganz im Gegenteil. "Bei unserer Gegentrefferstatistik war ich als Trainer schon sehr gespannt, wie meine Mannschaft mit der Situation nach der Gelb-Roten Karte umgeht", sagte Trainer Robin Dutt. "Sie haben sich leidenschaftlich gewehrt. Wer weiß, wofür der Punkt noch gut ist."

Spieldaten:


Ballbesitz in %: 74,1 - 25,9

Torschüsse: 21 - 3

gew. Zweikämpfe in %: 51,6 - 48,4

Fouls: 16 - 18

Ecken: 14 - 2

Quelle: optasports.com